Für ein glückliches Leben im Autismus-Spektrum

Das Chaos im Griff: Terminkalender, Terminplaner oder Smartphone?

Simon Wiedemeyer

kalenderVielen (nicht allen) Menschen im Autismus-Spektrum fällt es schwer, ein Zeitgefühl zu entwickeln, Termine im Blick zu behalten und das Chaos des Alltags im Griff zu behalten. Bei manchen ist das so ausgeprägt, dass sie auch eine ADHS-Diagnose bekommen. Aber auch die meisten anderen Menschen nutzen einen Kalender.

Ich bin auch eher der chaotische Typ und bin seit Jahren bemüht, mein Leben halbwegs organisiert zu halten. Versäumte Termine sind ärgerlich und manchmal teuer. Außerdem versuche ich den Aufwand für meine Terminplanung so gering wie möglich zu halten. Ich habe einige Systeme ausprobiert und möchte hier meine Erfahrungen schildern.

Großer Wandkalender

Vorteilhaft daran ist, dass man das ganze Jahr auf einen Blick sieht. Negativ ist aber, dass man meist wenig Platz hat, um an einzelnen Tagen mehrere Termine einzutragen. Manche Leute fühlen sich erschlagen von den vielen Inhalten. Manche Wandkalender haben einen kleinen Schieberahmen, den man über das aktuelle Datum schiebt. Wenn man sich angewöhnt, das jeden Morgen zu machen, sieht man auch gleich, ob an diesem Tag Termine anstehen.

Monatskalender

Auch im Monatskalender hat man einen guten visuellen Überblick über Zeit und Termine. Der Monatskalender ist für mein Empfinden sehr übersichtlich und ein guter Kompromiss zwischen Jahre- und Wochenkalender.

Wochenkalender

Wochenkalender bieten einen eingeschränkten, aber noch vorhandenen visuellen Überblick über anstehende Termine. Ihr Vorteil ist, dass nicht allzu viele Informationen auf einmal angezeigt werden.

Familienplaner

Familienplaner gibt es meist als Monats- oder Wochenkalender. Sie haben mehrere Spalten, eine für jedes Familienmitglied. Praktisch, wenn man nicht nur die eigenen Termine, sondern auch die der Kinder im Blick behalten muss.

Kalender für unterwegs

Wandkalender und die meisten Monats- und Wochenkalender sind dafür gedacht, dass man sie zuhause aufhängt und nicht für unterwegs. Wenn man unterwegs im Kalender nachschlagen will (zum Beispiel, weil man einen neuen Termin vereinbart und nachsehen will, ob man am vorgeschlagenen Datum Zeit hat), ist das ein echter Nachteil. Dann braucht man einen kleinen Taschenkalender oder ein Smartphone.

Taschenkalender

Taschenkalender sind kleine Hefte und haben meist eine ganze oder eine halbe Seite für einen Tag. Der klare Vorteil des Taschenkalenders ist, dass er klein ist. Im Din A7 Format passt er in jede Hosentasche, als A6 in die Tasche. Wer viel unterwegs ist, profitiert davon. Gleichzeitig bietet er genug Platz, um mehrere Termin an einem Tag einzutragen und Notizen dazu zu machen (Was darf ich nicht vergessen mitzunehmen; was will ich in einem Telefonat sagen etc.)
Der Nachteil am kleinformatigen Taschenkalender ist, dass vielen visuell veranlagten Menschen dabei die Übersicht verloren geht. Termine für die nächsten Tage sehen sie erst, wenn es zu spät ist.

Smartphone

Ein Smartphone erinnert einen zu einem beliebig festlegbaren Zeitpunkt an einen Termin. Wenn man zum Beispiel um 14 Uhr einen Zahnarzt-Termin hat, kann man sich eine halbe Stunde vorher daran erinnern lassen, um genug Zeit für den Weg dorthin zu haben. Wenn man sein Smartphone sowieso immer dabei hat, ist das eine gute Möglichkeit.

Posterkalender und Themenkalender

Natürlich gibt es auch Posterkalender und Special-Interest-Kalender wie z.B. Gartenkalender. Im Gartenkalender sind dann meist schon die Aussaattermine eingetragen und man findet viele Garten-Tipps. Ähnliches gibt es für viele Interessengebiete. Teilweise sind das schon richtige Bücher.

Drei Tipps

  • Der richtiger Terminkalender für den jeweiligen Denk-Typ

    Viele chronisch chaotische und unorganisierte Menschen sind visuell veranlagt. Wer ein visueller Typ ist, muss “die Zeit sehen”, um ein Gefühl dafür zu bekommen.

  • Termine auch tatsächlich eintragen

    Manchen Leute tragen Termine lieber auf dem Papierkalender ein, als sie auf dem Handy oder Organizer einzutippen. Anderen geht es genau umgekehrt. Überlegt euch, womit ihr lieber arbeitet.Wenn ich Anfang des Jahres einen neuen Kalender kaufe, trage ich die feststehenden Termin gleich ein: wichtige Geburtstage, die Müllabfuhr-Termine und ähnliches.

  • Keine Zettelwirtschaft

    Früher hatte ich die Angewohnheit, Termine auf Zettel zu notieren. Die Zettel hatten die merkwürdige Angewohnheit, ständig zu verschwinden und bestenfalls wieder aufzutauchen, wenn der notierte Termin vorbei war. Der Terminkalender sollte einen festen Platz haben – ob am Computer oder am Kühlschrank, Hauptsache man sieht regelmäßig drauf.

In diesem Jahr habe ich mich für die Kombination aus großem Wandkalender plus Smartphone entschieden. In den Wandkalender kommen nur die “großen” Termine wie Abgabedaten für Projekte und dafür eingeplante Zeit, Urlaub und ähnliches. Ins Smartphone kommt alles, auch Kleinigkeiten wie “Tante Gudrun zum Geburtstag gratulieren”, “Umsatzsteuer-Voranmeldung abgeben” oder “Biotonne zur Abfuhr rausstellen”. Dabei lasse ich mich mit einer angemessenen Vorlaufzeit vor dem Termin warnen. Die Umsatzsteuer-Warnung lasse ich mir z.B. schon einige Tage vor der Deadline anzeigen, weil es schließlich sein kann, dass ich zu dem Zeitpunkt gerade mitten in einem zeitkritischen Projekt stecke, krank bin oder ähnliches.

Jeden Morgen lasse ich mir auf dem Organizer anzeigen, was für den Tag ansteht. Ich habe mir angewöhnt, die meisten Kleinigkeiten gleich zu erledigen, um nachher den Kopf für andere Dinge frei zu haben.

Das alles klingt vielleicht kompliziert. Aber ich denke lieber einmal im Jahr gründlich nach als das ganze Jahr über angestrengt Termine im Kopf zu behalten – oder eben auch nicht.

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