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High-Functioning-Autismus

Geschrieben von Colin   
Mittwoch, 01 März 2006

Tony Attwood schreibt über "High-Functioning-Autismus": "Uns ist seit vielen Jahren bekannt, das manche Kinder in ihrer frühen Kindheit die typischen Mermale des Autismus aufweisen, später jedoch die Fähigkeit entwickeln, komplizierte Sätze zu sprechen, und dass sie grundlegende soziale Fertigkeiten und normale intellektuelle Fähigkeiten herauasbilden.Diese Symptome werden unter dem Begriff "High-Functioning-Autismus" zusammengefasst, einem Terminus, der in den Vereinigten Staaten weiterhin sehr gebräuchlich ist. Mir fiel auf, dass er vor allem auf Menschen angewandt wird, bei denen man in ihrer frühen Kindheit Autismus diagnostiziert hatte. Er wird weniger häufig bei Kindern verwendet, deren frühe Entwicklung nicht mit dem typischen Autismus übereinstimmte."

Gibt es einen Unterschied zwischen High-Functioning-Autismus und Asperger-Syndrom? Das lehnen inzwischen sogar die meisten Psychologen ab - zum Beispiel Tony Attwood: "Zahlreiche Studien haben untersucht, ob zwischen beiden unterschieden werden kann. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt legen die Ergebnisse nahe, dass kein bedeutsamer Unterschied zwischen beiden vorzuliegen scheint. Sie haben mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede."

Er fügt hinzu: "Daher kann bei ein und demselben Kind in einer Gegend die Diagnose High-Functioning-Autismus und in einer anderen Asperger-Syndrom gestellt werden."

Attwood sieht wie inzwischen die meisten Autismus als Spektrum: "Sowohl der Autismus als auch das Asperger-Syndrom befinden sich in denselben nahtlosem Kontinuum, und es wird immer Kinder geben, bei denen man nicht weiß, ob der Begriff wirklich angebracht ist."

Die Trennung der Begriffe und Diagnosen hat eher historische Gründe - Leo Kanner und Hans Asperger erfanden Autismus unabhängig voneinander - und gilt heute weitgehend als obsolet. Wir lehnen nicht nur allgemein eine Trennung innerhalb des Spektrums ab, sondern vor allem auch die Hierarchie in "high"- und "low-functioning". Diese stellt eine Wertung dar, die von der neurotypischen Norm als erstrebenswertes Idealbild ausgeht, hierarchisiert und wertet Menschen und grenzt sie aus.

Lesetipp: Valerie Paradiz: Hörst du mich? Leben mit einem autistischen Kind
Allen Eltern autistischer Kindern ist dieses Buch absolut zu empfehlen. Es ist die Autobiografie der Mutter von Elijah, der autistisch ist. Sie beschreibt ihren Weg von Verunsicherung über "Therapie" (die sie bald verwirft, als sie feststellt, dass sie Elijah nicht guttut) hin zu einem positiven Umgang mit ihrem Sohn. Das Buch ist durchgehend mit großem Respekt vor ihrem Sohn geschrieben und ist eine wunderschöne und ermutigende Lektüre.

Der englische Titel ist besser gelungen als der deutsche: Elijah's Cup: A Family's Journey Into the Community and Culture of High-Functioning Autism and Asperger's Syndrome.
Nebenbei gesagt zeigt das Buch auch gut, das die Einteilung in "Low-" und "High-Functioning-Autismus" sinnlos und problematisch ist: Elijah wurde anfangs als "low-functioning" eingestuft - seine Mutter erkannte, dass diese Einstufung nicht geeignet ist, ihn als Menschen zu beschreiben und dass er unabhängig davon, wie andere seinen "Funktionsgrad" beurteilen, ein wunderbarer Mensch ist.

Auch die Bücher von Tony Attwood sind lesenswert.