Für ein glückliches Leben im Autismus-Spektrum

Selbsthilfegruppen

Anita Ertler

SelbsthilfegruppeOb es in deiner Nähe eine Autismus-Selbsthilfegruppe gibt, kannst im Internet nachsehen. Und wenn es keine gibt? Es ist relativ einfach, eine zu gründen.

Gründung einer Selbsthilfegruppe

Einen Raum, in dem man sich treffen kann, stellen z.B. Selbsthilfekontaktstellen, unter Umständen auch Freizeit- oder Gemeindezentren zur Verfügung. Manchmal bieten Autismus-Therapiezentren Gruppen an. Bei letzteren leitet meist ein_e Mitarbeiter_in des Therapiezentrums die Gruppe – es handelt sich dann um keine Selbsthilfegruppe. In einer Selbsthilfegruppe sind alle Teilnehmenden gleichberechtigt; es gibt keine Gruppenleitung (aber möglicherweise eine zeitweise/wechselnde Moderation). Wir raten von solchen angeleiteten Gruppen stark ab.

Besser ist es, sich gleich an eine Selbsthilfekontaktstelle (KISS/SEKIS), ein Nachbarschaftszentrum oder ähnliches wenden. Diese gibt es in jeder größeren Stadt.

Im Internet kannst du Autist_innen aus deiner Region kennenlernen und sie fragen, ob sie Interesse an einem Treffen hätten. Ob man sich zuerst privat trifft oder gleich als Autisten-Gruppe, muss jeder selbst entscheiden. Auch z.B. Selbsthilfekontaktstellen können manchmal Kontakte zu anderen Autist_innen vermitteln, die eine Selbsthilfegruppe suchen bzw. gründen wollen.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass es besonders in der Anfangsphase wichtig ist, dass sich eine Person für Organisatorisches zuständig fühlt, z.B. (falls notwendig) den Schlüssel für die Räume aufzubewahren, rechtzeitig da zu sein, um aufzuschließen und nach dem
Treffen wieder abzuschließen. Später können (und sollten) solche Aufgaben auch auf andere Personen verteilt werden.

Verschiedene Fragen sollten in der Selbsthilfegruppe geklärt werden.
Soll jemand moderieren? Wenn ja, wie soll die Moderation ausssehen? Vielleicht geht es darum, dass nicht durcheinander geredet wird, oder darum, dass alle die Möglichkeit haben, zu Wort zu kommen. Vielleicht geht es auch nur darum, darauf zu achten, dass regelmäßig Pausen gemacht werden und einzelne Teilnehmende nicht in ihren Wünschen und Bedürfnissen übersehen werden.

Am besten sollten sich unterschiedliche Personen mit der Moderation der Treffen abwechseln. Damit wird die Arbeit verteilt und es bilden sich (hoffentlich) keine Hierarchien heraus.

Die Gruppe sollte sich auch entscheiden, ob Neue sich anmelden sollen, bevor sie das erste Mal kommen oder ob das nicht notwendig ist. (Wenn ja, bei wem, und wollen die anderen Gruppenmitglieder das wissen, damit sie sich darauf einstellen können?)

Wie häufig trifft man sich?
Die meisten Gruppen treffen sich zur Zeit einmal im Monat, man kann sich aber auch häufiger oder seltener treffen. Möglich ist es auch, abwechselnd ein Treffen als Themenabend zu gestalten und eins als offenen Treff.

Und sobald diese Gruppe steht, ist es auch eine gute Idee, dafür etwas “Werbung” zu machen, damit auch andere Autist_innen darauf aufmerksam werden und mitmachen können. Dafür bieten sich Mitteilungen in Autismus-Foren im Internet an, aber auch Informationen NAKOS, die Nationale Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen, können hilfreich sein.

Ihr könnt die Autismus-Selbsthilfegruppe auch als ein Experiment sehen, in dem Autist_innen herausfinden, wie sie am besten miteinander kommunizieren können. Viele Autist_innen haben ihr Leben lang nur versucht, mit NTs zu kommunizieren (einfach deshalb, weil es davon mehr gibt). Mit Autist_innen kann es ganz anders sein; probiert es aus. (Seid euch andererseits darüber im Klaren, dass Experimente schiefgehen können).

Gruppen für Eltern von Autist_innen

Auch Eltern von autistischen Kindern und -Jugendlichen kann es helfen, sich mit anderen Eltern auszutauschen. Häufig erschreckt sie die Diagnose und sie müssen lernen, mit ihren eigenen Gefühlen ihr gegenüber zurechtzukommen. Das hat zunächst nichts mit dem Kind selbst zu tun. Eltern-Gruppen können aber auch z.B. dem Austausch über gute Schulen u.ä. dienen. Tony Attwood schreibt über Selbsthilfegruppen für Eltern von “Aspie-Kindern”: “Es ist unglaublich wichtig, dass die Eltern betroffener Kinder die Gelegenheit haben, Familien zu begegnen, die dieselben Erfahrungen und Probleme haben wie sie selbst; denn dadurch fühlen sie sich weniger isoliert. Auch bietet
eine solche Gruppe die Möglichkeit, Strategien für spezifische Probleme zu erörtern, Meinungen über Fördereinrichtungen auszutauschen und Spezialisten einzuladen.”

Solche Spezialist_innen können auch autistische Erwachsene sein, die bereit sind, etwas über sich zu erzählen.

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