Für ein glückliches Leben im Autismus-Spektrum

Autismus-Symptome bei Kindern: Kindergarten- & Schulkinder

Colin Müller, M.A.

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Wenn Kinder älter werden, werden die Anzeichen für Autismus vielfältiger. Die Symptome drehen sich typischerweise um soziale Kompetenzen, sprachliche Besonderheiten und Schwierigkeiten, Probleme in der nonverbalen Kommunikation und wenig Flexibilität im Verhalten.

Anzeichen und Symptome von Autismus bei Kindern

Das Kind…

  • wirkt uninteressiert an anderen Menschen oder daran, was um es herum passiert (oder scheint das gar nicht zu bemerken).
  • weiß nicht, wie man eine Beziehung zu anderen aufbaut, spielt, oder Freundschaften schließt.
  • mag es nicht, berührt zu werden, gehalten, umarmt oder gekuschelt zu werden.
  • spielt keine “So-Tun-als-ob” Spiele, beteiligt sich nicht an Gruppenspielen, ahmt andere nicht nach oder verwendet Spielzeug nicht auf kreative Weise.
  • hat Schwierigkeiten, Gefühle zu verstehen oder über sie zu sprechen.
  • scheint es nicht zu hören, wenn andere mit ihm sprechen.
  • teilt Interessen oder Errungenschaften anderen nicht mit – zum Beispiel kommt das Kind nicht angelaufen, um ein gemaltes Bild zu zeigen.

Sprachentwicklung

Alle Kinder im Autismus-Spektrum haben Schwierigkeiten mit den sozialen (kommunikativen) Aspekten von Sprache. Ein Teil hat auch darüber hinaus sprachliche Schwierigkeiten: Viele autistische Kinder fangen spät an zu sprechen, manche sprechen gar nicht. Und andererseits gibt es Kinder im Autismus-Spektrum, die grammatikalisch korrekt sprechen und einen großen Wortschatz haben, aber Schwierigkeiten haben, ein Gespräch zu führen oder Witze, Redensarten und Anspielungen zu verstehen.

Das Kind…

  • spricht in einer ungewöhnlichen Tonlage, mit einem merkwürdigen Rhythmus oder einer auffälligen Betonung/Tonlage (z.B. endete das Kind jeden Satz wie eine Frage).
  • wiederholt die selben Wörter oder Sätze immer wieder.
  • reagiert auf eine Frage, indem es sie wiederholt, statt sie zu beantworten.
  • spricht von sich selbst in der dritten Person, oder verwechselt die Pronomen “ich” und “Du”.
  • hat Schwierigkeiten, seine Bedürfnisse und Wünsche zu kommunizieren.
  • versteht einfache Anweisungen, Aussagen oder Fragen nicht.
  • nimmt Gehörtes wörtlich, versteht den Grundton von Humor, Ironie oder Sarkasmus nicht.

Nonverbale Kommunikation

Kinder im Autismus-Spektrum haben Schwierigkeiten, nonverbale Kommunikation wie Gesten, Gesichtsausdrücke und Körpersprache zu verstehen und zu verwenden.

Das Kind…

  • nimmt keinen oder wenig Blickkontakt auf.
  • verwendet Gesichtsausdrücke, die nicht zu dem passen, was es sagt.
  • versteht Gesichtsausdrücke, Gesten oder Tonfall anderer Leute nicht.
  • verwendet sehr wenig Gesten (wie z.B. mit dem Finger auf etwas zeigen). Wirkt vielleicht kalt oder “roboterhaft”.
  • reagiert ungewöhnlich auf bestimmte Geräusche, Gerüche, grelles Licht, Kleidung oder anderes auf der Haut. Vielleicht besonders empfindlich gegenüber Lärm und lauten Geräuschen.
  • Ungewöhnliche Haltung, oder eine auffällige Art, sich zu bewegen (geht z.B. nur auf Zehenspitzen).

Wenig Flexibilität

Kinder im Autismus-Spektrum haben oft ein Bedürfnis nach Beständigkeit und halten an immer gleichen Abläufen und Routinen fest. Ihre Interessen und Aktivitäten sind meist eng umgrenzt.

Das Kind…

  • folgt einer rigiden Routine (besteht z.B. darauf, immer genau den gleichen Weg zur Schule zu gehen).
  • hat Schwierigkeiten, mit Veränderungen im Tagesablauf oder der Umgebung umzugehen (bekommt z.B. einen Wutanfall, wenn Möbel anders angeordnet werden oder wenn die Schlafenszeit zu einer anderen Zeit ist als üblich.
  • hat ein intensives Interesse an bestimmten Spielzeugen oder ungewöhnlichen Gegenständen wie z.B. Schlüssel, Taschenlampen oder Gummibänder.
  • ordnet Dinge immer wieder in Reihen oder in einer bestimmten Ordnung an.
  • beschäftigt sich intensiv mit einem eng begrenzten Interessengebiet, das oft Zahlen oder Fakten beinhaltet (z.B. das Auswendiglernen von Landkarten, Fahrplänen oder Fußballtabellen (oft ohne ein Interesse an Fußball als Sport zu haben).
  • kann sich lange damit beschäftigen, Spielzeug in einer bestimmten Weise anzuordnen, sich drehende Objekte wie einen Ventilator oder eine Waschmaschine anzustarren, oder konzentriert sich auf ein einzelnes Teil eines Gegenstands, z.B. die Räder eines Spielzeugautos.
  • wiederholt die selbe Handlung oder Bewegung immer wieder, z.B. mit dem Händen “flattern”, mit dem Oberkörper schaukeln oder sich um sich selbst zu drehen (auch “selbst-stimulierendes Verhalten” genannt). Diese Verhaltensweisen hängen mit Besonderheiten in der Wahrnehmungsverarbeitung zusammen und können auch eher der Beruhigung als der Stimulation dienen.

Häufige selbst-stimulierende Verhaltensweisen sind:

  • mit dem Händen flattern
  • mit dem Oberkörper vor- und zurückschaukeln
  • sich im Kreis drehen
  • mit den Fingern schnalzen
  • den Kopf stoßen
  • Lichter anstarren
  • die Finger vor den Augen hin- und herbewegen
  • an die Ohren klopfen
  • sich kratzen
  • Spielzeug aufreihen
  • Gegenstände zum Kreiseln bringen
  • Räder drehen
  • sich drehende Gegenstände beobachten
  • Licht an- und ausschalten
  • Wörter oder Geräusche wiederholen
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