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Schulpflicht, Schulzwang – oder freies Lernen?

Autismus-Kultur

Homeschooling oder Schulpflicht?Derzeit läuft eine Petition an den deutschen Bundestag, das häusliche Lernen bzw. den Hausunterricht zu erlauben und straffrei zu stellen. Wir weisen auf diese Petition hin, weil wir die Straffreiheit des Homeschoolings sehr wünschenswert finden und wissen, dass viele Leser_innen dieser Website sich über dieses Thema Gedanken machen. Und es ist uns ein Anlass, ein paar Worte über die Schulpflicht zu verlieren.

In Deutschland herrscht Schulpflicht und Schulzwang – Hausunterricht ist verboten und wird bestraft, schulpflichtige Kinder und Jugendliche können von der Polizei zwangsweise in die Schule gebracht werden. In fast allen anderen Ländern gibt es lediglich eine Bildungspflicht – keinen Anwesenheitszwang in einem muffigen Schulgebäude. Warum tickt Deutschland anders?

Durch den zwangsweisen Schulbesuch sichert der Staat sich die Kontrolle darüber, was die Staatsbürger_innen lernen, und erzieht sie in seinem Interesse. Eltern, die ihre Kinder zuhause oder in staatlich nicht anerkannten Schulen unterrichten, drohen hohe Strafen in Form von Zwangsgeldern, Gefängnis und Sorgerechtsentzug.

In vielen anderen Ländern ist “Homeschooling”, Hausunterricht, eine mögliche Alternative zum Schulbesuch. Teilweise sind auch Kombinationen möglich – darüber berichtet zum Beispiel Mike Stanton in seinem Artikel “Mit dem Teufel am Mittagstisch?”. In diesen Ländern gibt es eine Bildungspflicht, aber keine Schulpflicht.

Im Januar 2010 wurde einer Familie in den USA Asyl gewährt, die ihre Kinder zuhause unterrichtet hatte und deswegen zunehmend staatlichen Repressionen ausgesetzt war. Der Asyl-Richter begründete sein Urteil damit, dass hier ein “grundlegendes Menschenrecht verletzt” werde, und führte aus: „Menschen, die ihre Kinder zu Hause unterrichten wollen, sind eine besondere soziale Gruppe, die die deutsche Regierung zu unterdrücken versucht. Diese Familie hat eine gut begründete Furcht vor Verfolgung. (…) Deswegen steht ihr Asyl zu, und das Gericht wird ihr Asyl gewähren.“

Andere Familien fliehen nach Großbritannien oder in andere Länder, wie zum Beispiel Familie Neubronner.

Die Gründe, Kinder zuhause zu unterrichten, sind vielfältig. Unter den Eltern, die sich zum Hausunterricht entschließen, sind sowohl christliche Fundamentalisten, für die die Evolutionstheorie Teufelszeug ist, als auch Menschen, die ihr Kind nicht gegen dessen Willen in die Schule zwingen wollen. Tilman Neubronner berichtet, wie negativ der Schulbesuch auf seinen Sohn wirkte: “Wir haben unseren Sohn Moritz zwei Jahre als Schüler erlebt und gesehen, wie er von einem fröhlichen zu einem oft traurigen, misslaunigen und häufig kranken Kind wurde.” Auch Mobbing und fehlende Möglichkeiten zum selbstbestimmten Lernen in der Schule sind Gründe für den Unterricht zuhause.

Homeschooling oder Schulpflicht?

Dagmar Neubronner hat ein Buch über ihre Erfahrungen mit dem Hausunterricht geschrieben: “Die Freilerner – Unser Leben ohne Schule“. Darin schildert sie sehr lebensnah die Schulprobleme ihrer Kinder, das allmähliche Herantasten an das “Homeschooling”, das sie inzwischen lieber “Freilernen” nennt und ihre Auswanderung aus Deutschland, die es der Familie ermöglichte, die Kinder weiterhin zuhause zu unterrichten.

Ebenfalls für eine Bildung ohne Schulpflicht spricht sich Raimund Pousset in seinem Buch “Schafft die Schulpflicht ab!” aus. Bildung ja, Schulpflicht nein!

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