Aspies e.V. Memoiren: Teil II - Abenteuer Delfintherapie |
| Geschrieben von enfant terrible und Colin | |
| Donnerstag, 13 März 2008 | |
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In diesem Teil unserer Aspies e.V. Memoiren berichten wir von unserer Teilnahme an dem Fachgespräch Delfintherapie der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, genauer gesagt darüber, was bei Aspies e.V. diesbezüglich im Hintergrund geschah. Am 20.06.07 um 23:38 schickte Rainer an den Vorstand und Aktive eine Rundmail, darin ging es zum ersten Mal um das Fachgespräch "Delfintherapie": Außerdem habe ich noch ein Anliegen an die Berliner: Ich habe Post von Undine Kurth bekommen,Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90 - Die Grünen; die bietet am 28.Juni von 10-13 Uhr im Paul-Löbe-Haus, Raum E 800 ein Fachgespräch zu der Frage an, inwieweit Delfintherapien, wie sie zur Zeit in Nürnberg und Rügen in neuen Therapiezentren geplant werden, u.a. für Autisten hilfreich wären. Die Sache ist die, dass ich am 28. mit dem ZDF-Drehteam ausgemacht habe, nach Köln zu Nicole Schuister zu fahren;möglicherweise reicht die Zeit trotzdem, an der Veranstaltung im Paul-Löbe-Haus teilzunehmen, aber falls nicht, wäre es gut, wenn mich da jemand vertreten könnte. Werde das auch nochmal am Treff am Samstag ansprechen; die Frau sollte in jedem Fall bald bescheid kriegen;vielleicht könnte uns der kontakt zu ihr aber auch sonst nützen. Wenn ihr noch Anregungen habt, was ichh ggf. ihr gegenüber noch ansprechen kann, gebt mir Bescheid, damit ich das weitergeben kann. Muss mich ansonsten auch selbst noch ein bisschen schlau machen wegen der Delfintherapie. Ideal wäre natürlich, wenn wir einen Berliner hätten,der schonmal eine mitgemacht hat. Rainer sucht also jemanden, der ihn bei dem Fachgespräch vertritt, und wünscht dafür einen delfintherapierten Autisten aus Berlin. Am darauf folgenden Samstag, den 23.06. war das Fachgespräch auch im Vorstandschat im Gespräch: Colin: Rainer, kannst du mal schreiben, was genau in der Einladung von den Grünen stand? Oder noch besser, kannst du es einscannen und verschicken?
Das erste Mal erwähnte Rainer das Fachgespräch und fragte, ob ihn jemand vertreten kann, kurz vor Mitternacht vom 20. auf den 21.06! Eine Frist hat Rainer in der o.g. Mail nicht erwähnt, er schrieb nur: "die Frau sollte in jedem Fall bald bescheid kriegen". Rainer: Ich dachte halt, ideal wäre, wenn wir einen Berliner Autisten hätten, der auch schon praktische Erfahrung mit Delfintherapie hat Autistenzoo? Nach unserem Verständnis der Einladung ging es um ein Fachgespräch. Rainer teilt diese Bedenken jedoch nicht und schreibt weiter: Rainer: [W.] zum Beispiel hat wohl sehr gute Erfahrungen damit in Florida gemacht Wie so häufig ist nicht klar, welche Zusammenarbeit Rainer meint. Frau Kurth hat Aspies e.V. als Selbstvertretung autistischer Menschen zum Fachgespräch eingeladen, das ist alles. Von einer Zusammenarbeit oder gar Unterstützung war nicht die Rede. Hajo kam in den Chat, das Thema wechselte auf die Organisation des Sommercamps, dann: Colin: tschuldigung - noch mal kurz wg. Grünen-Fachgespräch bzgl. Delphintherapie: gibt es bisher jemanden von uns, der_die hingehen würde? Offenbar will Rainer, dass Tunnelblick, der übrigens zu dem Zeitpunkt kein Vereinsmitglied war, hin geht, weil sonst: Colin: wenn es sonst niemand macht, könnte ich einen vorher formulierten Text vorlesen Rainers Begeisterung hält sich in Grenzen: Rainer: Haben wir denn eine Aspies-e.V.-Meinung zur Delfintherapie? Zwei Mitglieder von Aspies e.V. haben sich eben bereit erklärt, an dem Fachgespräch teilzunehmen und ihre Meinung dort zu vertreten, aber ihre Meinung ist wohl nicht gefragt: Rainer: Donna Williams beschäftigt sich ja viel mit Tieren und Autismus. Hat die eigentlich eine Meinung zu der Problematik? Kommt in ihren Büchern glaub ich nicht wirklich vor. Donna Williams??? Naja, vielleicht meint er Temple Grandin? lilo: es geht doch nicht um donna williams' meinung sondern um unsere. Sie laden uns ein, damit wir unsere Meinung vertreten. Dann sollten wir das auch tun. Ob jemand jemanden brüskiert, ist hier nicht der Punkt - zu dem Fachgespräch sind nicht umsonst Vertreter_innen konträrer Meinungen eingeladen worden, und wenn sich alle einig wären, könnte man sich solche Veranstaltungen sparen. Gewöhnlich achten Teilnehmende solcher Diskussionsrunden am wenigsten darauf, ob ihre Äußerungen irgend jemanden brüskieren: es geht schließlich um Vermittlung von Inhalten, und nicht darum, einen gefälligen Eindruck zu hinterlassen. hajo: aber ich gehe davon aus, dass es das ist Was hat Rheuma mit Autismus zu tun? hajo: ich kann mir auch vorstellen, dass es menschen einfach gut tut, mit tieren in kontakt zu sein; auch das ist eine therapie - in weiterem sinne
Im Folgenden wird über eine Forumuserin diskutiert, die ihr Kind „aus Verzweiflung“ über fehlende Therapieangebote in ihrem Dorf in Delfintherapie schickt, und Rainer fragt, ob sie es schon mit anderen Tieren probiert hätte. Die Diskussion über Therapie Rainer: Die Frage ist ja, ob Delfintherapie WESENTLICH bessere Therapieerfolge bietet als andere Tiertherapien; genau um diese Fragestellung geht es Ja. Aber nicht für Rainer: Rainer: Kostet ja immerhin auch deutlich mehr, da will man eben wissen, ob der zusätzliche Aufwand gerechtfertigt ist Ja. Aber nicht von Rainer: Rainer: Ich überleg halt, was ich der Frau zurückschreiben soll. Dass eine nicht artgerechte Haltung nicht in Frage kommt und dass Autismus auch mit Delfintherapie nicht wegtherapierbar ist, ich denke soweit sind wir uns ja einig NEIN! Wir teilen nicht die Meinung, dass Autismus wegtherapiert gehört, aber Rainer geht nicht darauf ein. Rainer: Ich müsste ihr auch genau sagen, wer kommt; wie gesagt, ist mit Anmeldung und Ausweiskontrolle Dass wir kommen würden, hatten wir ja schon gesagt. Und dass man ohne Ausweiskontrolle nicht in den Bundestag kommt, ist allgemein bekannt. Es scheint, als hegte Rainer immer noch die Hoffnung, dass nicht wir hingehen: Colin: ich hab jetzt auch keine Zeit mehr, aber wie sieht es denn jetzt aus? Dann muss wohl doch die Ersatzbank ran... Rainer: das ist ungünstig, Colin, Lilo, wie sieht es mit euch aus? Ähm, wie schon gesagt: die erste Info über die Veranstaltung erfolgte am 20.06. um 23:38! Tunnelblick: probiert auch so noch reinzukommen Das sagt Rainer zum dritten Mal, obwohl niemand irgendetwas gegen Anmeldung und Ausweiskontrolle gesagt hatte. Es ging an diesem Samstag Mittag lediglich darum, dass eine Mail an das Abgeordnetenbüro nicht vor Montag früh gelesen wird. Colin: ja, dass ist aber eine Standardanmeldung zu jeder Veranstaltung dort Natürlich können wir das! Rainer: Wäre aber schon gut, wenn Betroffene mit dabei sind; nicht, dass wieder mal ohne uns diskutiert wird
Aber? Soll das bedeuten Rainer scannte also die Einladung der Bundestagsabgeordneten Frau Undine Kurth ein und schickte sie am 23.06. per Rundmail an Vorstand & Aktive (siehe Einladung: Seite 1, Seite 2 und Tagesordnung). Zunächst einmal: die Einladung ist an Aspies e.V. (c/o Herrn Rainer Döhle) adressiert, und nicht an Rainer. Aus dem einfachen Grund, dass Rainers private Adresse als Adresse von Aspies e.V. fungiert, weil Aspies e.V. keine eigene Adresse hat, landet die ganze Post bei Rainer.
Wie im Chat abgesprochen, meldeten wir uns selbst an und teilten dem Büro von Frau Kurth mit, dass wir eine Stellungnahme abgeben würden. Am 26.06. erhielten wir eine Zusage. Trotz im Chat getroffener Absprache, dass wir uns selbst bei Frau Kurth melden würden, und bereits erfolgter Zusage der Bundestagsabgeordneten beglückte uns Rainer mit der folgenden Mail, die er unangekündigt und unvermittelt an Frau Kurth schrieb: Sehr geehrte Frau Kurth, Diese Mail war für uns ein Schock, denn u.a.:
Rainer rechtfertigte sein Vorgehen so:
Wer eingeladen warDa Frau Kurth mich persönlich angeschrieben hatte, fand ich es angemessen, sie darauf vorzubereiten, dass sie Antwort von zwei ihr völlig unbekannten Vereinsmitgliedern bekommt, damit sie nicht plötzlich überrascht wird, wie ihr beiden, die von ihr ja nicht eingeladen wurdet, dazu kommt, eure Mitwirkung anzukündigen. Sie hatte ja mich persönlich eingeladen, deshalb hielt ich es für angemessen, sie darauf vorzubereiten, dass auch zwei Vereinsmitglieder teilnehmen wollen, die sie persönlich nicht kannte. Aber ich muss doch auch denjenigen informieren, der mich persönlich einlädt, dass da statt meiner plötzlich jemand ganz anderes kommt (und dann womöglich gar jemand, der darauf besteht, nicht als Autist, also für den Einladenden als im Prinzip völlig Fachfremder zu erscheinen). Zur Erinnerung nochmal, dass das ganze Problem letztlich dadurch entstanden ist, dass ich morgen keine Zeit habe, an der Veranstaltung teilzunehmen; wäre das der Fall, dann wären Colin und lilo ja erst gar nicht dazu gekommen, zu der Veranstaltung zu gehen. Ich erinnere außerdem daran, dass ursprünglich ich eingeladen war, was auch kein Zufall war.
Falsch. Frau Kurth hat Aspies e.V. angeschrieben und Rainer oder eine_n andere_n Vertreter_in von Aspies e.V. eingeladen. Insofern waren wir ebenso eingeladen wie Rainer auch. Von uns als Die BetroffenenIch dachte, wir hatten das im Chat auch so geklärt, dass es gerade darum ging, die Perspektive der Autisten da mit reinzubringen. Wenn ihr explizit als Nicht-Autisten da reden wollt, sehe ich den Sinn nicht so ganz, denn dann wärt ihr ja nicht direkt mit dem Thema involviert; eure Ansichten werden natürlich mehr Gewicht haben, wenn ihr nicht als Hinz und Kunz redet, sondern als Autisten, um die es letztlich bei dem Thema geht; für mich geht es vor allem darum, den Entscheidungsträgern klarzumachen, dass an den Entscheidungsprozessen auch die von dem Therapiemaßnahmen betroffenen mitwirken; das ist natürlich nicht zu leisten, wenn da Leute auftreten, die erklären, sie seien selbst gar nicht autistisch. Eine Verdrehung: von Nicht-Autisten war nicht die Rede; „Betroffener“ und Autist sind keine Synonyme. Übrigens haben sich die beim Fachgespräch anwesenden Personen auch nicht als „Nicht-Betroffene“ oder „Nicht-Autist_innen“ positioniert, sondern mitgeteilt, welche Organisation sie vertreten oder welchen Beruf sie ausüben. Wir hätten uns dort als Vertreter von Aspies e.V. vorgestellt, dies wurde uns aber im weiterem Verlauf der Diskussion untersagt. Deshalb habe ich Frau Kurth gegenüber gesagt, dass ihr als Autisten sprecht;
Falsch. Gesagt wurde, dass wir als Noch eine Verdrehung: Da muss man sich dann eben entscheiden, was man will, entweder oder, und wie gesagt, bei dem Vorstandschat hatte ich den Eindruck, es ginge darum, den Autisten selbst eine Stimme zu geben. Wenn [lilox] lieber will, dass über die Köpfe der Autisten hinweg entschieden werden soll (was ihr gutes Recht ist und was die logische Konsequenz wäre, wenn dort keiner auftritt,der sich als Autist zu erkennen gibt), dann soll sie das sagen. Ob sie damit aber im Verein auf Zustimmung stößt, ist dann wieder eine andere Frage.Unterstellungen zu konstruieren, um Personen, denen sie unterstellt werden, dafür anzugreifen, ist freilich eine interessante Taktik. Sie erlaubt es, von der tatsächlich geäußerten Kritik abzulenken, tatsächlich gestellte Fragen unbeantwortet stehen zu lassen und Diskussionspartner_innen als böswillige Querulanten zu diskreditieren - um alles beim status quo zu belassen. Und nebenbei gesagt: es ging uns nicht darum, jemand anderem "eine Stimme zu geben", sondern die eigene zu nutzen. Ich denke, wenn man mein Schreiben an Frau Kurth nochmal nachliest, braucht es schon einiges an Unterstellung, um dabei davon auszugehen, ich hätte die Bezeichnung "Betroffener" böswillig verwendet, um autistische Menschen zu diskriminieren.Mit diesem Satz antwortete Rainer auf folgenden Einwand von Colin: Ich möchte nirgend, absolut nirgends als "Betroffener" bezeichnet werden. Ich bin Autist und kein "Betroffener". Ich finde die Bezeichnung "Betroffener" abwertend und diskriminierend gegenüber Autist_innen.Weiter schrieb Rainer: Ich selbst bin auch von Rechtshändigkeit und Kurzsischtigkeit betroffen, das besagt erstmal nichts anderes, als dass ich das alles eben habe, dass ich ein Mensch bin, auf den das Merkmal autistisch, rechtshändig, kurzsichtig zutrifft. Die Regel ist, dass der Begriff "betroffen" neutral verwendet wird - ich kann im Duden zumindest keinen Hinweis "(abwertend)" finden. Es gibt mit Sicherheit auch Menschen, die den Begriff abwertend gebrauchen, weil ihnen an einer Diskriminierung gelegen ist. Das trifft übrigens genauso für den Begriff "autistisch" zu – [Name entfernt] kann ein Liedchen dazu singen; der angeführten Logik zufolge dürfte ich also einen autistischen Menschen auch nicht mehr als "autistisch" bezeichnen. Dann frage ich mich, welche Wörter ich überhaupt noch verwenden darf. JEDES Wort kann mit einer negativen Konnotation verwendet werden und wird in der Regel auch so verwendet. Man nennt das "Euphemis-Tretmühle" (die Wikipedia hat einen interessanten Artikel darüber). Dadurch, dass man einen "Behinderten" nicht mehr "behindert" nennt, sondern "anders befähigt" ändert sich in der Praxis sehr wenig. Der Respekt liegt nicht in den Worten, sondern in den gesellschaftlichen Umständen. Egal, ich nehme zur Kenntnis, dass Colin und lilo für sich ablehnen, von Autismus betroffen zu sein und werde also den Begriff in Zusammenhang mit ihnen nicht mehr verwenden. Ich weiß aber nicht, ob es zumutbar ist, wenn ich über Dritte rede, jede nur denkbare Empfindlichkeit vorausschauend mit einzukalkulieren. Es gehört wirklich einiges dazu, den einfachen Wunsch, nicht „Betroffener“ genannt zu werden, so zu verdrehen. Der Begriff „betroffen“ ist in bezug auf eine Person übrigens in der Tat nicht abwertend: man kann von einem Eisenbahnunglück betroffen sein, oder von der Kürzung von Sozialleistungen. Es ist tatsächlich Rainers Gebrauch des Wortes im Sinne von „von Autismus betroffen“, der abwertend gegenüber autistischen Menschen ist, stellt er Autismus doch in eine Reihe mit Katastophen, Unglücksfällen, Krankheiten und anderen negativ bewerteten Ereignissen. Weiter schrieb Rainer: Sorry, ich kann auch nicht hellsehen; wenn man mich darauf aufmerksam macht, dann kann ich jede gewünschte Bezeichnung, ob nun politisch korrekt oder unkorrekt, verwenden, aber bei Vokabeln, die im allgemeinen Sprachgebrauch erstmal weitgehend unschuldig sind, ist das nunmal nicht so einfach. Rainer musste nicht hellsehen, um den mehrfach geäußerten Wunsch zu vernehmen. Der VorsitzendeDer Verein Aspies e.V. hat zwei Vorsitzende, Hajo und ich. Wir vertreten den Verein nach außen. Daneben gibt es den Vorstand, in dem auch Colin und Mario sind. Ich bin von den vergangenen Mitgliederversammlungen zum gleichberechtigten Vorsitzenden neben Hajo gewählt worden. Der entsprechende Passus der Satzung ist §8, wo die Vertretung nach außen gemäß § 25 BGB erwähnt ist. Damit sind wir letztendlich auch verantwortlich für die Außendarstellung des Vereins. Das Tetrarchie-Modell mit zwei Augusti und zwei Caesares? Falsch, laut Satzung: Der Vorstand des Vereins besteht aus mindestens 3 gleichberechtigten Mitgliedern, von denen zwei Mitglieder den Verein gemeinschaftlich im Sinne des § 26 BGB gerichtlich und außergerichtlich vertreten. Bei der letzten Wahl 2006 wurde definitiv niemand zum Vorsitzenden gewählt, es wurden nämlich alle Vorstandsmitglieder in einem Wahlgang per Handzeichen gewählt, ohne dass jemand besonders hervorgehoben worden wäre. §25 BGB bezieht sich auf die gesetzliche Vertretung (zum Beispiel wessen Unterschrift unter einem Vertrag stehen muss), nicht auf die allgemeine Außendarstellung des Vereins. §25 BGB besagt auch nicht, dass die jeweiligen Personen mehr Rechte hätten als andere; das würde auch den Passus in unserer Satzung widersprechen, in dem von gleichberechtigten Vorstandsmitgliedern die Rede ist. Die Regelung besagt lediglich, dass einerseits nicht sämtliche Vorstandsmitglieder einen Vertrag unterzeichnen müssen, der im Namen des Vereins geschlossen wird – auf diese Weise bleibt der Verein handlungsfähig, wenn eine Person nicht erreichbar ist. Und andererseits bedeutet er, dass nicht ein Vorstandsmitglied allein im Namen des Vereins Verträge abschließen darf, sondern dass dazu mindestens zwei Vorstandsmitglieder unterschreiben müssen. Welche zwei das sind, spielt dabei keine Rolle und darf auch von Fall zu Fall variieren.
Und trotzdem: Die Vertretung des Vereins nach außen dient ja nicht nur quasi irgendwelchen nebensächlichen protokollarischen Zwecken - ein bisschen was leisten Hajo und ich ja auch ganz praktisch dazu. Das heißt natürlich nicht, dass wir den anderen Vorstands- und Vereinsmitgliedern unsere persönlichen Ansichten aufzwingen wollten; ich wollte mich von Anfang an im Führungsstil auch von [W.] damals oder auch von [H.] von Aspergia absetzen. Wenn hier jetzt der Eindruck entsteht, ich hätte da diktatorische Neigungen und würde Diskussionen und andere Meinungen abwürgen, sieht mir das nach etwas verzerrter Wahrnehmung aus. Colin und lilo haben alle Gelegenheit, sich zu äußern; ich stelle mich der Kritik und sage hier auch zum widerholten Male, dass ich mich für Fehler, die ich mache, auch entschuldige. Wenn solche Entschuldigungen nicht angenommen werden, tut mir das leid, jedenfalls kann man mit mir reden und ich hab nicht die Absicht, zum Basta-Chef zu mutieren. Führungsstil? Chef? Es ging nicht um Rainers Führungsstil, sondern um seinen selbsternannten Anspruch auf eine Führung. Konkret ging es darum, dass ein Vorstandsmitglied sich nicht Vorsitzender nennen soll, wenn er kein Vorsitzender ist bzw. weil es keinen Vorsitzenden gibt. Nachdem wir ihm das mitgeteilt hatten und auch ein weiteres Vereinsmitglied folgende Kritik an Rainers Vorgehen äußerte: Bei Rainer habe ich immer die Vorstellung, dass er vor lauter Diplomatie unsere Interessen aus den Augen verliert.
...verdreht Rainer die Äußerungen einfach völlig — Als Diplomat sehe ich mich tatsächlich, auch wenn mir hier manche eher das Gegenteil, nämlich Machtwillen und Diktatorallüren zu unterstellen scheinen. Wer hat Rainer Diktatorallüren unterstellt? Diese Verdrehungen erinnern an klassisches Spalter-Verhalten: die Aussagen eines Diskussionsteilnehmers werden ins Negative verdreht, die eines anderen ins Positive, um die Diskussionsgegner zu spalten. Mit einer konstruktiven Auseinandersetzung und offenen Diskussion in einem demokratischen Verein hat das nichts zu tun. Nicht im Namen des Vereins kritisieren!Rainer schrieb:Wir haben noch keine vereinsoffizielle Position zur Frage der Delfintherapie, auch wenn die überwiegende Mehrheit der Autisten diese Therapieform kritisch sieht. Weil ein solches offizielles Papier noch nicht existiert, würde ich euch auch bitten, eure persönliche Haltung zunächst ersteinmal auf der Fachtagung auch als solche zu kennzeichnen, auch wenn die allgemeine kritische Haltung der Mehrheit der Autisten erwähnt werden kann. Es wäre ansonsten auch hilfreich, sich auf der Tagung direkt mit Frau Kaminski kurzzuschließen, die ja offenbar ebenfalls eine kritische Haltung einnimmt, ob sie ggf. daran interessiert wäre, ein gemeinsames Positionspapier mitzutragen.
Wir haben aber noch kein vereinsoffizielles Papier dazu, weswegen ich euch bitten würde, entsprechend aufzutreten; eure Kritik ist sicher mehr als bloße Privatmeinung, aber eben noch nicht die offizielle Vereinsposition, die muss erst noch erarbeitet werden. Dazu wäre es übrigens hilfreich, auf der Veranstaltung den Kontakt zu Frau Kaminski zu suchen, die ja offenbar ebenfalls eine kritische Haltung einnimt, inwieweit sie bereit ist, eine gemeinsame Erklärung zum Thema von Aspies e.V. und Autismus Deutschland mitzutragen ([Tunnelblick] hat sich in der Hinsicht allerdings skeptisch geäußert; einen Versuch wäre es aber in jedem Fall wert).
Wenn auch auf der Fachtagung der Tenor ist, dass es bessere Alternativen zur Delfintherapie gibt, bin ich der erste, der eine entsprechend kritische Würdigung durch Aspies e.V. unterstützt.
Ist das Und: einerseits durften wir nicht im Namen von Aspies e.V. reden, andererseits versuchte Rainer uns wie seine Angestellten loszuschicken, um mit Frau Kaminski zu reden. Als wir letzteres ablehnten, bekamen wir folgende Mail: Wir haben wie gesagt unter den Autisten offenbar einen weitgehenden Konsens darüber, dass die Delfintherapie abzulehnen ist, weil eine artgerechte Haltung nicht zu gewährleisten ist. Ich bin kein Fachmann, ich kann das nicht beurteilen, aber da das wie gesagt ganz überwiegende Mehrheitsmeinung ist, soll man das auch auf der Veranstaltung sagen, habe ich absolut nichts dagegen. So, nun habe ich gehört, dass auch Frau Kaminski diese Auffassung teilt. Meine vielleicht etwas naive, aber doch nicht ganz fern liegende Schlussfolgerung war, dass wir dann auf Frau Kaminski zugehen könnten, um da eine gemeinsame Linie zu finden. Colin lehnt das kategorisch ab, meinetwegen, wenn er meint, der Sache damit einen Gefallen zu tun, bitte. Ich hätte ja gemeint, dass es ganz hilfreich wäre, gegenüber der Politik möglichst geschlossen aufzutreten und war an sich auch der Meinung, dass die Vernetzung mit anderen Gruppen und Institutionen eine nützliche Sache wäre. Wenn Colin nun der Meinung ist, dass Aspies e.V. mit Einzelkämpfertum mehr für Autisten erreicht, auch gut, ich verbiete ihm die Meinung nicht, wir haben wie gesagt eine völlig freie Diskussion. Schauen wir mal, welche Meinung sich durchsetzt und wie wir am Ende das Positionspapier, dass da angeregt worden ist, realisieren. Nebenbei gesagt, hatten wir es zwar abgelehnt, „Kontakt zu Frau Kaminski zu suchen“ – es ist unsere persönliche Entscheidung, mit wem wir uns unterhalten, und wenn Rainer Kontakt zu Frau Kaminski wünscht, kann er sie selbst kontaktieren – wir hatten aber keine Kooperation mit anderen Gruppen ausgeschlossen. Im Gegenteil konnten wir uns beide gut eine Kooperation mit Tierschützer_innen und Artenschützer_innen vorstellen. Auf einen konkreten Vorschlag zu einer solchen Kooperation gingen Rainer und die anderen in keiner Weise ein. Übrigens hat Frau Kaminski bis dato jegliche Kooperation mit Aspies e.V. regelmäßig abgelehnt, dazu Tunnelblick: Seit eingier Zeit telefnoiere ich alle paar Monate mal mit Frau Kaminski. Ich und Frau Kaminski gehen auch beide davon aus, dass es gegenüber der Politik einen Ansprechpartner gegenüber der Politik geben sollte. Allerdings sagt Frau Kaminski jedesmal, dass es für eine Zusammenarbeit jeglicher Arbeit "zu früh" sei. Es ist zweitrangig, ob das ihre Meinung ist oder die des Vorstandes von Autismus Deutschland oder deren Mitgliedern. Zu unserer Webseite zu verlinken sei zu früh, uns über Termine wie das Asperger-Ärztetreffen zu informieren sei zu früh (habe es von verbündeten Fachkräften erfahren die sehr viel progressiver sind als der Bundesverband), sich mal auf Vorstandseben zu treffen und auszutauschen sei zu früh, zu überlegen ob man Konsens in bestimmten Punkten erzielen kann sei zu früh - kurzum: Mit Frau Kamisnki zu sprechen ist zu früh, und dass hat alleine sie entschieden.
Rechtfertigung der BevormundungHajo und ich haben halt am Ende die Verantwortung und wenn ich persönlich von Frau Kurth eingeladen werde, stehe ich am Ende natürlich auch gerade dafür,wenn da auf der Veranstaltung was schieflaufen sollte. Nach der Erfahrung mit [Tunnelblick] in Köln bin ich da halt auch etwas vorsichtig -die Geschichte ist ja geklärt worden und ich mache ihm da in keinster Weise Vorwürfe, aber ehe wir nochmal nach außen hin in eine problematische Situation kommen, will ich halt selbst ein bisschen den Überblick haben, wer da wie im Namen des Vereins auftritt.Kein Kommentar. Dazu muss gesagt werden, dass der Verein im Gegenzug keinen Überblick darüber hat, was Rainer so im Namen des Vereins macht und vertritt. In der Regel bekommt man das als Vereinsmitglied nicht mit und schon gar nicht im Detail. Und wenn ausnahmsweise doch, überrascht Rainer vom Podium mit solchen Sätzen wie bei der Podiumsdiskussion anläßlich der Filmpremiere „On the Spectrum“: Viele Betroffene haben Schwierigkeiten, Autismus als Störung und Behinderung zu betrachten.Solchen „Betroffenen“ wird wohl in der SHG geholfen, diese Schwierigkeiten zu überwinden.
Zum TermindruckEs ist richtig, dass wir den Auftritt dort noch genauer hätten absprechen sollen; das war aber in der Kürze der Zeit - Frau Kurth hatte ja eine Frist bis zum 21. gesetzt - kaum zu leisten. Die Einladung von Frau Kurth ist vom 12. Juni 2007. Rainer informierte uns darüber erstmals am 20.06.07 um 23:38. Kein Kommentar. Obwohl uns diese nervenaufreibenden Auseinandersetzungen enorm behinderten, verfassten wir unsere Stellungnahme zur Delfintherapie in unserem Namen – den Verein durften wir ja nicht vertreten, und Tunnelblick hat sich noch extra bei lilox erkundigt, ob wir nicht doch Rainer als für den Inhalt Veranwortlichen angegeben hätten! – und verteilten sie bei dem Fachgespräch. Anschließend veröffentlichten wir unseren Text auf der Vereinswebsite. Die Reaktionen im Forum waren durchweg positiv, man dankte uns für unsere Arbeit. Schließlich schrieb Rainer am 30.06. in seiner Rundmail: Colin und Lilo haben ihre Stellungnahme ja auf der Webseite veröffentlicht, ich bin also informiert und habe insoweit an ihrem Vorgehen auch absolut nichts auszusetzen. Das Papier ist nicht als offizielle Stellungnahme des Vereins gekennzeichnet, von daher geht das in Ordnung. Nach der Beschreibung des Ablaufs der Fachtagung sehe ich auch inhaltlich keine Bedenken, das als Basis für eine vereinsoffizielle Darstellung zum Thema zu machen, das müsste dann halt vom Vorstand beschlossen werden.
Wie schön, dass der Dennoch meint Rainer weiterhin, dass Aspies e.V. Post ihm gehöre: Umgekehrt war es selbstverständlich, wenn ich eingeladen werde und dann nicht erscheine, sondern statt meiner jemand anderes erscheint, dass ich denjenigen, der mich einlädt, darüber informiere; ich halte das für ein normales Gebot der Höflichkeit. Im Vorstandschat wurde dann das Urteil verkündet: Rainer: Ich denke, das Papier der beiden ist eine gute Ausgangsbasis für eine offizielle Stellungnahme von Aspies e.V. Spiegelt offenbar die Mehrheitsmeinung der Leute im Forum wieder Rainer möchte trotzdem mit Frau Kaminski „kooperieren“: Rainer: Ja, die Frage ist halt, wie Autismus Deutschland solche Fragen sieht, und da ist Frau Kaminski nunmal leider vorrangiger Ansprechpartner
Och schade! Colin: Habt ihr Kritikpunkte an dem Paper, das Lilox und ich geschrieben haben? Wenn ja, können wir das (im Forum?) diskutieren Später: lilox: hab ich viel verpasst? Noch mal zur Erinnerung: der Text wurde weder von „Betroffenen“ noch von Vertretern von Aspies e.V. verfasst, sondern von zwei Vereinsmitgliedern, die ihre private Meinung entgegen massiven Widerstands aus dem Vorstand vertraten. Erst als sich zeigte, dass es – sowohl beim Fachgespräch als auch unter Autist_innen eine Mehrheit für unsere Position gab, schwenkten die übrigen Vorstandsmitglieder darauf um – und wollten sich jetzt unseren Text aneignen und ihn für sich vereinnahmen: als „offizielle Stellungnahme des Vereins“. Dieses Muster erlebten wir bei Aspies e.V. nicht zum ersten Mal: wir arbeiteten auf eigenes Risiko, wenn es schief ging, waren wir es, wenn es gut ging, wollte „der Verein“, namentlich Rainer, die Lorbeeren dafür kassieren. Rainer will die alleinige Kontrolle behalten, was im Namen des Vereins gesagt wird, will bestimmen, was andere Vereinsmitglieder sagen – in seinen Augen vertreten sie ihn, nicht den Verein. Er lässt keine Diskussion zu, wenn es darum geht, was er selbst im Namen des Vereins sagt. Man erfährt höchstens zufällig über Umwege, dass er wieder mal bei irgendeiner Veranstaltung Aspies e.V. vertreten hat. Er informiert weder den Verein noch den Vorstand über Einladungen und Teilnahme, geht er doch davon aus, dass Einladungen an Aspies e.V. stets Einladungen an ihn persönlich sind, und während er uns verbieten wollte, uns kritisch über Delfintherapie zu äußern mit Begründung, dass noch keine vereinsoffizielle Position dazu existiere, kümmert ihn die Inexistenz vereinsoffizieller Positionen nicht, wenn er als selbsternannter Vertreter Aspies e.V. vertritt. Um es mit seinen Worten zu sagen. „Zur Erinnerung nochmal, dass das ganze Problem letztlich dadurch entstanden ist, dass ich morgen keine Zeit habe, an der Veranstaltung teilzunehmen; wäre das der Fall, dann wären Colin und lilo ja erst gar nicht dazu gekommen, zu der Veranstaltung zu gehen.“ – weil wir nie davon erfahren hätten. |
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