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Aspies e.V. Memoiren III - Abenteuer „charakterlose Schluffis“

Geschrieben von enfant terrible und Colin   
Donnerstag, 20 März 2008

Wer ist ein Schluffi? Wir wollen nicht die Schluffi-Studentenband bleiben, die so ein bisschen rumschrammelt und nicht so richtig weiß, wohin mit sich selbst, sagt Sebastian von Madsen. Kampf den Schluffi-Armen - Wie Frauen endlich straffe Oberarme bekommen können... - so heißt ein Fitness.com Artikel, in dem es um folgende Problematiken geht: Konnte man ihn im Winter noch gut in dicken Pullovern verstecken und im Frühjahr unter langärmligen Shirts verbergen, kommt er nun unübersehbar zum Vorschein: der Schluffi-Arm! und Wenn auch Sie Sich jetzt entschlossen haben, etwas gegen den unbeliebten Schluffi-Arm zu unternehmen: Hier ein paar Übungen die helfen und Tipps wie man sie richtig ausführt. Schluffi hieß jemandes Kater – die Bilder von dem niedlichen flauschigen Stubentiger kann man auf der Homepage von Kater Karlchen bewundern. Ein Schluffi geht in einer ausgebeulten Sporthose zum Bäcker, frühstückt nach 15 Uhr, wohnt im 1. OG und benutzt den Fahrstuhl. Ein Schluffi ist gemütlich und faul, weich (besonders am Bauch), friedfertig, etwas verpennt und harmlos, vielleicht niedlich, wuschelig und irgendwie nett.

Am 14. Oktober 2007 erschien im aspies.de-Forum folgender Beitrag von eraser (Zitate anderer Diskussionsteilnehmenden, auf die eraser antwortet, sind in kursiver Schrift; Hervorhebungen von uns):

eraser:
Ich bin deutsch und es gab Wehrkraftzersetzer wie Wehrmachtsangehörige, Verfolgte und Mitläufer des NS- Regimes in meiner Familie. Alle tot inzwischen übrigens.

Zitat:
Wenn ich schon höre was Hitler alles hat...Hitler hatte gar nichts,aber alle machten mit das die Kriegs und Menschenvernichtungsmaschinerie wie am Schnürchen lief.

eraser:
Es machten nicht alle mit, tut mir leid, dass Deine Großeltern charakterlose Schluffis waren, meine waren es nur zum Teil und selbst dieser Teil argumentierte etwas reflektierter, etwa so: "Ich war jung und dumm und habe mich verblenden lassen."

Zitat:
Gut,es gab Ausnahmeerscheinungen wie Oscar Huth der Verfolgte in seinem Flügel versteckte und der dreist Lebensmittelkarten mit seiner Druckmaschine nachdruckte und damit diversen Juden und Kommunisten in ihren Kellerverschlägen das Leben rettete,das wars dann aber auch schon.

eraser:
Aber es gab diese Menschen und darum sind Pauschalverurteilungen eines ganzen Volkes nicht angebracht, zumal der Begriff "Volk" auch nicht klar definierbar ist.

Zitat:
Geh doch am besten zu den kalten Kriegern die immer noch in ihrem Fluchthelfermuseum hocken das der Altnazi Hildebrandt aufbaute

eraser:
Ich sage das jetzt nur ungern und ich sage das auch nicht oft, aber manchmal wünsche ich mir, dass die Leute, die da nicht leben mussten, einfach die Klappe halten würden. Das gilt auch für Leute, die das 3. Reich nicht erlebt haben, also für uns alle. Wir können uns kein Urteil erlauben, wir können nur versuchen, zu verstehen, was passiert ist und wie es passieren konnte.
LGE

Auch eraser pflegte das Wort Schluffi offenbar ohne jede negative Konnotation in Bezug auf diverse Zeitgenossen zu verwenden. Vor diesem Hintergrund betrachten wir die Bezeichnung charakterlose Schluffis für die Täter der Nazizeit als eine haarsträubende Verniedlichung und Verharmlosung.

Die Relativierung und Verharmlosung von Naziverbrechen und Respektlosigkeit gegenüber den Opfern ist für Rechtsextremismus und Geschichtsrevisionismus charakteristisch und taucht fast nur in solchen Zusammenhängen auf.

Schweigen von allen zu fordern, die das Dritte Reich nicht erlebt haben – eine Forderung aus der alten rechtsradikalen und der neuen Schlussstrich-Szene -, widerspricht dem am Ende geäußerten Wunsch: zu verstehen, was passiert ist, und wie es passieren konnte, zumal das Ergebnis ohnehin schon verkündet wurde: charakterlose Schluffis.

Dieser Beitrag zwingt freilich zu der Annahme, dass hier weniger daran gelegen war, zu verstehen, was passiert ist, und wie es passieren konnte. Vielmehr scheint es um gekränkten Nationalstolz zu gehen und um das Image, dass die eigenen Vorfahren am Grauen nicht beteiligt gewesen seien – und wenn doch, die eigene Beteiligung vorbildlich reflektiert hätten. Kurzum: es geht um positive Identitätsstiftung.

Ebenso die in dieser Debatte beliebten Vergleiche des Nazionalsozialismus mit der DDR oder der Nazi-Täter mit den Kommunisten haben einen revisionistischen Beigeschmack.

Eine Geschichtsschreibung, die solche Fakten aufnimmt, darf den Holocaust und die zentrale Verantwortung der Deutschen nicht relativieren; das je Spezifische ist zu unterscheiden: Die einen flohen nach West-Berlin, die anderen wurden aus dem Sudetenland nach Bayern deportiert, die Juden aber wurden ermordet. Dennoch muss eine Geschichtsschreibung, die sich ernst nimmt, die Muster erkennen und auch Fäden der Gewalt- und Fortschrittsgeschichte Europas im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts aufnehmen, um Auschwitz historisch zu lokalisieren.
– schreibt Historiker Götz Aly in seinem ZEIT-Artikel Logik des Grauens vom 01.06.2006.

Wie der Historiker und Vorsitzende des Historikerverbands, Johannes Fried, anläßlich des 42. Deutschen Historikertages in seiner Begrüßungsrede sagte: Wer versucht, der Geschichte zu entkommen, muß auf Dauer scheitern.
Solche Äußerungen im Forum einer angeblichen Interessenvertretung autistischer Menschen zu lesen, erschüttert ganz besonders angesichts der systematischen Ermordung "Behinderter" in der NS-Zeit, auch Aktion T4 genannt. Soll das die Position dieser Organisation sein, die Interessen autistischer Menschen vertreten will? Dieser unerträgliche Beitrag hat einen User, Valentin, so sehr belastet, dass er ihn am folgenden Tag mit folgendem Kommentar an das Moderationsteam des Forums meldete:

Brauner Beitrag mit klassischer Nazi-Rhetorik: "manchmal wünsche ich mir, dass die Leute, die da nicht leben mussten, einfach die Klappe halten würden." Am Massenmord Beteiligte als "charakterlose Schluffis" zu verharmlosen ist den Opfern des Nazionalsozialismus und ihren Angehörigen ein Schlag ins Gesicht. Entsetzlich, solche Beiträge in DIESEM Forum zu lesen zu kriegen, und dass eine Person mit brauner Mentalität hier moderiert!

Obwohl sich Valentin an das Team und nicht an eraser persönlich gewandt hatte, schrieb sie ihm folgende Mail:

Hallo.
"manchmal wünsche ich mir, dass die Leute, die da nicht leben mussten, einfach die Klappe halten würden." bezog sich auf die DDR.

Desweiteren ging es um die "alle Deutschen sind Mörder" Theorie, die ich unangemessen fand. Genauso ist es natürlich unangemessen, Täter als Schluffis zu verharmlosen, aber das tue ich in dem Beitrag nicht, ich versuche nur, das Ganze ausgewogen darzustellen, weil ich solche platten Pauschalparolen nicht ab kann. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen und wie weiter in dem Beitrag steht, halte ich es für wichtiger, zu verstehen, was passiert ist als zu verurteilen, was man nicht versteht.
Steht schon in der Bibel "Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet." Wir waren nicht dabei, also können wir uns nicht hinstellen und sagen "Ich hätte mich bestimmt anders verhalten, weil ich so toll bin."

"...ist den Opfern des Nazionalsozialismus und ihren Angehörigen ein Schlag ins Gesicht."

He, das bin ja ich! Und was ich als Schlag ins Gesicht empfinde, ist meine Sache. Und selbst wenn Du Recht hättest, was ich stark bezweifle, darf ich mir ja wohl selbst ins Gesicht schlagen.

Dass "eine Person mit brauner Mentalität im Forum moderiert", geht einen Schritt zu weit, würde ich mal sagen. Tatsächlich ist der Straftatbestand der Beleidigung erfüllt und ich verstehe da leider keinen Spaß.

Ich habe mir nicht von den Dorfnazis in der Zone die Fresse polieren lassen und ich war auch nicht jahrelang in der Antifa, um mich jetzt von irgendwelchen Parolenschwingern als braun bezeichnen zu lassen.
Das geht zu weit, ich erwarte eine Entschuldigung innerhalb der nächsten Woche.

Es wäre auch schön, wenn ich Deinen Forennick erfahren könnte, damit ich weiß, mit wem ich es zu tun habe.
KGE

Erstens: sich die Fresse von Dorfnazis polieren zu lassen oder auf Antifa-Demos zu gehen, ist gewiss keine fundierte Faschismus-Kritik, macht die Aussagen betreffender Person nicht per se antifaschistisch und bedeutet auch nicht zwangsläufig, dass Betreffende_r sich mit Faschismus auseinander gesetzt hat und ihn korrekt verurteilt:

Was in Deutschland nach 1945 unter dem Etikett Antifaschismus angetreten ist, verdient nicht automatisch deswegen schon ein Pluszeichen, weil es als Bekenntnis gegen Faschismus daherkommt. Es lassen sich nämlich dem Anti gar nicht die Gründe entnehmen, die zur Absage an den Faschismus geführt haben. Antifaschist konnte und kann man in Deutschland aus ganz nationalistischen Gründen sein: So ist man Antifaschist, weil der Hitler "Deutschland in die Katastrophe geführt" hat, weil er es "mit den Juden wirklich zu weit getrieben", sie einfach "sinnlos umgebracht hat", weil er im 2.Weltkrieg "jedes vernünftige Maß hat vermissen lassen" oder einfach deswegen, weil es die von den Siegermächten verlangte neue Nationalmoral war, der man sich anzubequemen hatte. Auch linke Spielarten des Antifaschismus müssen sich die Kritik gefallen lassen, daß ihr Anti rein moralischer Natur geblieben ist und apologetische Züge aufweist. Wenn dem Faschismus die Absage an demokratische Normen und Regeln vorgeworfen wird, wenn in der Demokratie Altfaschisten aufgespürt und für einen Kontinuitätsbeweis herhalten müssen oder wenn behauptet wird, daß Deutschland und die Deutschen aus historischen Gründen immer wieder zwangsläufig zum Faschismus greifen, dann ist diesen Befunden viel Liebe zur - wahren, eigentlichen usw.-. Demokratie, aber kein korrektes Urteil über den Faschismus zu entnehmen.
Aus: Freerk Huisken, Zur Kritik der Wehrmachtsausstellung: Konkurrenz um die passende Nationalmoral statt Aufklärung über Faschismus und Krieg.

Zweitens: natürlich bezog sich die kritisierte Passage nicht nur auf die DDR, eraser schrieb explizit: „Das gilt auch für Leute, die das 3. Reich nicht erlebt haben, also für uns alle.“ Aber anstatt sich mit ihrer eigenen Aussage inhaltlich auseinanderzusetzen, belehrt eraser mit einem Bibel-Zitat und verschiebt den Fokus auf eine inhaltlich gänzlich andere Aussage, die hier übrigens niemand gemacht hat: "Ich hätte mich bestimmt anders verhalten, weil ich so toll bin".

„Charakterlose Schluffis“ scheinen also vielmehr einer positiven Identitätsstiftung gedient zu haben, den – in dieser Debatte übrigens nicht geäußerten – Vorwurf "alle Deutschen sind Mörder" durch „ausgewogene“ Darstellung zu entkräften und „das Ganze“ in ein günstigeres Licht zu rücken.

Positive Identitätsstiftung solcher Art beschäftigte u.a. den früheren Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann in seiner Rede zum Nationalfeiertag, die zu seinem Ausschluß aus der CDU führte:

Nicht die braunen Horden, die sich unter den Symbolen des Guten sammeln, machen tiefe Sorgen. Schwere Sorgen macht eine allgegenwärtige Mutzerstörung im nationalen Selbstbewußtsein, die durch Hitlers Nachwirkungen ausgelöst wurde. [...] Trotz der allseitigen Beteuerungen, daß es Kollektivschuld nicht gebe, trotz nuancierter Wortneuschöpfungen wie "Kollektivverantwortung" oder "Kollektivscham": Im Kern bleibt der Vorwurf: die Deutschen sind das "Tätervolk". Jede andere Nation neigt eher dazu, die dunklen Seiten ihrer Geschichte in ein günstigeres Licht zu rücken. Vor beschämenden Ereignissen werden Sichtschutzblenden aufgestellt. Bei den anderen wird umgedeutet. [...] Solche gnädige Neubetrachtung oder Umdeutung wird den Deutschen nicht gestattet.
Quelle

Im nächsten Zug beansprucht eraser für sich, Opfer (oder Angehörige eines solchen) des Nationalsozialismus zu sein und aus dieser soeben vereinnahmten moralischen Position heraus den Opfern des Nationalsozialismus vorzuschreiben, was sie (nicht) als Schlag ins Gesicht empfinden dürfen. In der Tat eine unerhörte Verhöhnung der Überlebenden und ihrer Familien.

Schließlich fordert eraser von Valentin "eine Entschuldigung innerhalb der nächsten Woche" und droht ihm mit einer Strafanzeige - so viel zur reflektierten Auseinandersetzung mit Kritik.

Kurz gesagt: Ein Forums-User meldete einen Beitrag an die Moderation. Da die Person, deren Beitrag beanstandet wurde, selbst Moderatorin war, erhielt sie diese Mail ebenfalls – und drohte dem User daraufhin mit einer Strafanzeige. Ein solcher Einschüchterungsversuch wäre in jedem Forum fehl am Platz – und noch viel mehr in einem Autist_innen-Forum. Man muss davon ausgehen, dass die meisten autistischen Menschen bereits Erfahrungen mit (verbaler) Gewalt, Drohungen und Mobbing machen mussten, dass viele von ihnen weniger Gelegenheiten als NTs hatten, Selbstbewusstsein aufzubauen und dass nicht wenige von ihnen aufgrund ihrer Erfahrungen sehr unsicher und sensibel geworden sind. In einem solchen Forum droht eine Moderatorin einem User, von dem sie nicht weiß, wer er ist, mit einer Strafanzeige, nachdem er ein Posting beanstandet hatte.

Die Email von eraser leitete Valentin an das Moderationsteam weiter und bat um eine Stellungnahme der Moderatoren. Er kündigte an, erasers Mail andernfalls im Forum zu veröffentlichen. Eraser schrieb ihm umgehend eine weitere Mail:

" Wenn innerhalb von drei Tagen keine Reaktion des Moderationsteams erfolgt, werde ich diese Mail im Forum veröffentlichen und mir weitere Schritte vorbehalten."

Keine Sorge, wir diskutieren schon ganz hitzig darüber und ich finde es sowieso schade, dass Du diesen Weg gewählt hast, statt ein Posting zu schreiben, so wie ich das tat, nachdem ich Deine Verunglimpfungen von Opfern des DDR- Regimes als Kriminelle gelesen hatte (Ich nehme mal an, das von mir zerpflückte Posting war Deins) Ich würde diese Diskussion gern öffentlich führen und auch diese Konversation veröffentlichen, im Moment sind wir intern noch zu keinem Ergebnis gelangt, darum ist eine Frist von 3 Tagen auch mir sehr recht.

Ich habe meinem Posting übrigens einen Zusatz angehängt, um das bedauerliche Missverständnis, ich würde braunem Gedankengut anhängen, was mich persönlich sehr kränkt und in etwa so abwegig ist wie Dich als Stasi- Freund zu bezeichnen, aufzuklären. Vielleicht hast Du Lust, dort zu antworten.

Eventuell diskutieren wir wie vernünftige Menschen, ansonsten lassen wir den Richter im Namen des deutschen Volkes entscheiden, was zwar an Absurdität kaum zu überbieten wäre, aber als ein großer Freund des absurden Theaters hätte ich sicherlich meinen Genuss.

Es ist mir allerdings persönlich sehr wichtig, dass dem Forum und dem Verein kein Schaden und noch nicht einmal ein klitzekleines bisschen Unannehmlichkeit entsteht. Da Du wohl kaum vorhast, mich als Privatperson zu verklagen, schlage ich vor, von einer Anzeige meinerseits wegen Beleidigung abzusehen, obwohl Du nicht vorzuhaben scheinst, Dich bei mir für Deine Verbalentgleisung zu entschuldigen, wenn Du im Gegenzug Belästigungen des ohnehin mit Arbeit ausreichend eingedeckten Vereinsvorstandes mit juristischem Schnickschnack unterlässt.


Es wird eine Stellungnahme des Moderatorenteams geben.
LGE

Es entzieht sich unserem Verständnis, wie eraser auf die Unterstellung von „Verunglimpfungen von Opfern des DDR- Regimes“ kommt, denn Valentin hat in der Diskussion nicht teilgenommen und keine Aussagen über die „Opfer des DDR-Regimes“ getätigt. Womöglich hat sie das angenommen, weil ihrer Ansicht nach nur ein_e unterlegene_r Diskussionsgegner_in aus dem Forum ein Motiv hätte, ihr Posting zu beanstanden; auf die Idee, dass nicht gekränkte Eitelkeiten, sondern inhaltliche Sorgen zu dieser Beschwerde führten, kam eraser scheinbar nicht.
Zur Erinnerung nochmal: von Valentin beanstandet wurde die Bezeichnung „charakterlose Schluffis“ für die NS-Täter und die Forderung, über das Dritter Reich die Klappe zu halten. Valentin leitete auch diese Email an das Moderationsteam weiter und bat erneut um eine Stellungnahme der Moderatoren. Die hat es nie gegeben.

Im letzten Absatz der Mail scheint eraser Valentin zu erpressen, er soll sich nicht an den Vorstand des Vereins zu wenden - das tut sie nämlich selbst, wie aus dem folgenden Beitrag von Rainer Döhle im Forum deutlich wird:

Mir sieht das nach einer Abwandlung von Godwin's Law aus: Jeder, der meint, andere Menschen allein deshalb als Nazis verunglimpfen zu müssen, weil sie anderer Meinung sind, hat verloren. Er zeigt damit nämlich, dass es ihm nicht um die inhaltliche Auseinandersetzung, sondern einzig und allein um Verunglimpfung geht. Es erinnert an die Taktik der Kommunisten, die bereits die Sozialdemokraten gerne als "Sozialfaschisten" diskreditiert hat, wobei keine Rolle spielte, ob eben diese Sozialdemokraten selbst Opfer der Nazis waren (während Stalin 1939 bekanntlich noch fleißig mit Hitler paktiert hat).
Was Eraser gesagt hat, war: Die NS-Zeit war eine Diktatur; es war damals nun einmal nicht sehr einfach, mutig seine Gegnerschaft zu bekennen, es war lebensgefährlich. Manche machen es sich heute sehr einfach in der Beurteilung dieser Diktatur; sie riskieren ja nichts mehr und wenn sie heute sagen, dass sie damals natürlich und selbstverständlich den Mut einer Sophie Scholl oder eines Georg Elser aufgebracht hätten (denn darauf läuft es doch hinaus), das erscheint mir dann doch als Hybris und Selbstgerechtigkeit. Ich weiß nicht, ob ich damals diesen Mut aufgebracht hätte, was nicht das Geringste daran ändert, dass ich, ebenso wie Easer, die NS-Ideologie verurteile und dass natürlich gerade heute, wo der Kampf gegen die Nazis, die es heute gibt, eben nicht mehr dieses Risiko mit sich bringt, der Kampf gegen Rechtsextremismus unser aller Anliegen sein sollte. Eraser dann in die Ecke von NPD und Neonazis stellen zu wollen, ist einfach nur erschreckend und ich erwarte, dass derjenige, der sich diese Entgleisung erlaubt hat, sich dafür entschuldigt. Rainer

Niemand hat eraser verunglimpft, weil sie anderer Meinung war; man hat den Inhalt der Aussagen, die sie getätigt hat, und ihren politischen Hintergrund kritisiert. Aber möglicherweise war Rainer über den Gegenstand der Beschwerde gar nicht informiert und hat es auch nicht für nötig gehalten, sich darüber Kenntnisse zu verschaffen. Und wenn doch, zeigt der Beitrag nur einen weiteren Versuch, durch Ablenkung und Schuldverschiebung einer sachlichen Auseinandersetzung auszuweichen.

Verlieren kann man ein Spiel, einen Krieg oder einen anderen (Macht)Kampf. Es ist schwer, eigentlich unmöglich, mit Menschen inhaltlich zu diskutieren, die jeden Widerspruch und jede Kritik als eine Art Kampfhandlung, einen persönlichen Angriff oder Bedrohung ihrer strategischen Positionen auffassen. Es erinnert vielmehr an Machtspiele, die manche Leute gerne spielen und die Autist_innen angeblich weder beherrschen noch mögen. Solche mit sozialen Hackordnungen beladene Kommunikationsstrukturen - wenn man Erfahrungsberichten und Fachliteratur Glauben schenken mag - grenzen Autist_innen aus.

Den Zeigefinger des Tadels auf die Kommunisten zu richten, ist eine beliebte Taktik der Revisionisten wie Ernst Nolte und soll den Eindruck erwecken: „Die anderen waren ja genauso schlimm“. Einen Bärendienst erweist Rainer mit seiner Auslegung von erasers Worten: es war ja eine Diktatur, man konnte damals nicht anders.
Die Täter zu Opfern einer Diktatur umzudeuten, ist eine in revisionistischen Kreisen beliebte Täter-Opfer-Umkehr. So argumentierte die Generalsekretärin der Freiheitlichen Ulli Mair:

Jeder europäische Mensch sei sich heute dessen bewusst, dass die von Seiten der Vorfahren gemachten, zum Teil falschen Aktionen, ein Teil der damaligen Notwendigkeiten für das eigenen Überleben waren. Die Südtiroler seien schließlich auch Opfer des Faschismus gewesen.

Diesem Rechtfertigungsgejammer muss entschieden widersprochen werden! Freerk Huisken bringt es auf den Punkt:

Es funktioniert erstens überhaupt keine Staatseinrichtung, ohne daß die Menschen, die sie betreiben, funktionieren. Heißt die Einrichtung nun zweitens ‘Wehrmacht’, dann müssen die Leute nicht nur gut funktionieren, sondern dann müssen sie obendrein daran glauben, daß die Sache des Staates, für die sie töten und sterben, eine "gute Sache" ist. Ohne Nationalismus - auf allen Etagen der Hierarchie und in allen Wehrmachten der Welt - gehen Militär und Krieg nicht. (Die Vorstellung eines gänzlich erzwungenen Militäreinsatzes ist schon insofern albern, als sie mehr Kräfte für die Aufrechterhaltung der "Disziplin der Truppe" als für den Einsatz gegen den Feind unterstellt.) Das gilt für faschistische Kriege ebenso wie für solche, die von demokratischen Staaten angezettelt werden. Und der Hinweis auf die Wehrpflicht, mit dem sich heute Landser zu Krypto-Widerständlern machen, taugt erst recht nicht als Einwand. Er lebt von der geradezu albernen Vorstellung, daß alles, was in der Gesellschaft den Menschen zur Pflicht gemacht wird - vom Bezahlen mit Geld, dem Anmelden beim Einwohnermeldeamt oder dem Erwerb eines Führerscheins - immer erst gegen ihren geschlossen und heftigtsten Widerstand durchgesetzt werden muß! Als ob es nicht die geläufigste Übung eines Staatsbürgers ist, sich die Pflichten in Notwendigkeiten, die Notwendigkeiten in Chancen zu übersetzen und die Chancen als Instrumente des privaten Interesses zu verklären.
Aus dem Artikel zur Wehrmachtsausstellung.

Mit dem privaten Interesse, das Rainer in seinem Beitrag scheinbar leugnen will, befasst sich ausführlich der Holocaust-Historiker Götz Aly:

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie das NS-Regime sich trotz seiner – aus heutiger Sicht – offensichtlich halsbrecherischen und selbstzerstörerischen Politik so lange halten konnte. Das Ergebnis ist bedrückend, aber es führt zu einem missing link, das die politische Dynamik der Nazizeit meines Erachtens besser erklärt als die bisherigen Versuche: Eben weil fast alle Deutschen – die vielen Millionen Nicht- und Antinazis eingeschlossen – von den Raubzügen profitierten, zu Nutznießern beispielloser Verbrechen wurden, entwickelte sich nur marginaler Widerstand.
Götz Aly in seinem Artikel „Wie die Nazis ihr Volk kauften“
Wer von den Vorteilen für die Millionen einfacher Deutscher nicht reden will, der sollte vom Nationalsozialismus und vom Holocaust schweigen.
(aus: Götz Aly, Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus, S. 362)

Im bisherigen Verlauf gelang es eraser, den Gesprächsinhalt über ihre eigenen Äußerungen und eindeutige Thematisierungen des Kritikers hinweg zu verschieben und durch hartnäckiges Beharren die Unterstellung zu zementieren, dass man sie nur verunglimpfen, beleidigen und gegen sie intrigieren wollte. wenn Du im Gegenzug Belästigungen des ohnehin mit Arbeit ausreichend eingedeckten Vereinsvorstandes mit juristischem Schnickschnack unterlässt. - diente also scheinbar nur dazu, sich als erste bei dem ohnehin mit Arbeit ausreichend eingedeckten Vereinsvorstand zu beschweren, Valentin durch Erpressung daran zu hindern, dass er den Vorstand über den eigentlichen Gegenstand seiner Beschwerde informiert, und sich die Rückendeckung des selbst ernannten Vorsitzenden zu sichern, die er wohl bereitwillig gewährte, ohne sich auch nur einmal nach der Darstellung der Gegenseite zu erkundigen.

Ein Schritt zur Lösung des Konflikts wäre gewesen, wenn eraser für ihre in Kritik geratenen Aussagen die Verantwortung übernommen hätte, aber stattdessen verfasste sie folgende - aus unserer Sicht in die Irre führende - Ergänzung zu dem beanstandeten Beitrag:

Da es hier bedauerlicherweise zu Missverständnissen kam, möchte ich Folgendes anmerken: Mein Beitrag enthält nicht die Aussage, dass man die Verbrechen, die im "3. Reich" geschahen, nicht als solche bezeichnen oder das "3. Reich" als solches nicht VER- urteilen darf. Mein Beitrag ist zu verstehen als Plädoyer für eine ausgewogene Sicht der Dinge fernab von Pauschalverurteilungen wie "Alle Deutschen sind Täter". Weiter wurde mein Satz "Wir können uns kein Urteil erlauben,..." als "typische Nazi- Rhetorik" bezeichnet. Das war mir nicht bewusst, ich bin aber trotzdem der Meinung, dass man einen Sachverhalt sehr genau von allen Seiten zu erfassen versuchen sollte, anstatt einfach irgendeine Meinung zu zitieren oder ein Urteil zu fällen, ohne sich vorher genauestens mit allen Aspekten eines so komplizierten Themas vertraut gemacht zu haben. Da das schier unmöglich ist, war mein Wunsch, dass einige lieber die Klappe halten sollten und das bezog sich eigentlich besonders auf Westberliner, die am Wochenende in der Disko in Ostberlin mit D- Mark wedelten und jetzt meinen, sie könnten sich ein Urteil erlauben. Was diese Menschen gesehen und erlebt haben, war wohl kaum repräsentativ, sondern nur ein Ausschnitt, der der Wahrheit nicht näher kommt als der Blick durch den Briefschlitz der Nachbarwohnung.

Aber hier bin ich missverstanden worden und mein Posting wurde in einer privaten Mail von Anonym als braunes Gedankengut bezeichnet. Was im Prinzip bedeutet, dass jeder, der einen komplizierten Sachverhalt nicht mit einfachen Schwarzweißparolen dargestellt sehen will, ein Nazi ist.
Darüber kann man denken, wie man will. Man kann auch Leute, die Israels Außenpolitik kritisieren, als antisemitisch bezeichnen.

Ich persönlich bin der Meinung, dass man innerhalb einer Diskussion auf solche Labelungen unterhalb der Gürtellinie verzichten sollte. Die Themen, über die wir hier reden, sind nicht immer einfach zu verstehen, sie entziehen sich unserer westlichen dualistischen Gut- Böse- oder links- rechts- Denkweise manchmal sogar völlig und erfordern neue Ansätze. Das gilt natürlich nicht für die Verbrechen des NS- Regimes, die ethisch einzuordnen nicht schwer fällt. Das halte ich für eine klare Voraussetzung dieser und anderer Diskussionen hier im Forum, weshalb mir im Traum nicht einfallen würde, dass mir jemand eine "braune" Meinung unterstellt. Es tut mir leid, dass ich hier missverstanden wurde, die Reaktion scheint mir dennoch völlig unangemessen und überzogen sowie in der Absicht verfasst, mich persönlich zu beleidigen, anstatt zu argumentieren, so dass ich meine Konsequenzen daraus ziehen werde.

Zu dem Zitat selbst:
Ich habe nichts gegen Ehrenburg, im Gegenteil, ich kann auch nachvollziehen, dass er diese Meinung hatte und ich respektiere diese Meinung, weil sie aus seiner Sicht, in seiner Zeit und in dem Zusammenhang, in dem sie geäußert wurde, durchaus so stehen gelassen werden kann. Es lag ihm daran, etwas Aufrüttelndes und Provokatives zu formulieren, ohne auf die paar Ausnahmen einzugehen. Diese Ausnahmen aber sollten nicht herabgewürdigt werden. Unabhängig von seiner Nationalität gebührt jedem Opfer des Faschismus derselbe Respekt.

Ehrenburg hat auch folgendes geschrieben:

"Wir wissen alles. Wir erinnern uns an alles. Wir haben verstanden: Die Deutschen sind keine Menschen. Von nun an ist das Wort „Deutscher“ für uns wie ein entsetzlicher Fluch. Von jetzt an lässt das Wort „Deutscher“ das Gewehr von allein losgehen. Wir werden nichts sagen. Wir werden uns nicht empören. Wir werden töten. Wenn du nicht pro Tag wenigstens einen Deutschen getötet hast, war es ein verlorener Tag."

Wenn man versteht, wer das wann warum sagte, kann man erst ermessen, was es bedeutet. Es bedeutet nicht, dass Deutsche keine Menschen sind, sondern, dass Ehrenburg allen Grund zu der Annahme hatte, das dem so sei. Wenn man sich jetzt fragt, warum, wird man erschütternde Dinge herausfinden, die Deutsche getan haben. Die eigentliche Aussage Ehrenburgs ist die des Entsetzens, das keine anderen Worte findet als die oben gewählten. Darum finde ich, dass man solche Zitate nicht unkommentiert irgendwo hin schreiben sollte.
  • Die Aussage dass man die Verbrechen, die im "3. Reich" geschahen, nicht als solche bezeichnen [...] darf enthält der besagte Beitrag wirklich nicht, diese Feststellung ist aber nicht relevant, weil eine solche Aussage eraser auch nicht unterstellt wurde.
  • Die Aussage: das [man] "3. Reich" als solches nicht VER- urteilen darf ist jedoch in dem Beitrag enthalten, und zwar in folgendem Wortlaut: Das gilt auch für Leute, die das 3. Reich nicht erlebt haben, also für uns alle. Wir können uns kein Urteil erlauben, wir können nur versuchen, zu verstehen, was passiert ist und wie es passieren konnte. Also: verstehen - ja, urteilen - nein.
  • Dass der Satz Wir können uns kein Urteil erlauben,... als "typische Nazi- Rhetorik" bezeichnet worden sei, ist sachlich falsch. Wie oben zitiert, kritisierte Valentin den Satz: manchmal wünsche ich mir, dass die Leute, die da nicht leben mussten, einfach die Klappe halten würden.
  • Hinterher Witzfiguren zu fabulieren, auf die sich der Satz bezogen haben soll, und damit von dem eigentlichen Kritikpunkt abzulenken, ist eine in diesem Disput persistierende Taktik. Es ist jedoch Fakt, dass in dem kritisierten Beitrag nichts über Westberliner, die am Wochenende in der Disko in Ostberlin mit D- Mark wedelten steht und auch sonst keine Hinweise auf solche Bezüge erkennbar sind.
  • Das Posting wurde auch nicht in einer "privaten Mail" und von "Anonym" kritisiert, sondern von einem im Forum angemeldeten Vereinsmitglied an das Moderationsteam gemeldet, und zwar nicht anonym – das wäre rein technisch nicht möglich gewesen. Mit diesen unwahren Behauptungen sollte vermutlich der Verfasser der Beschwerde als unglaubwürdig dargestellt werden.
  • Wieder wird der Fokus auf die DDR verschoben, obwohl sich Valentins Kritik explizit gegen die das Dritte Reich betreffenden Aussagen richtete. Weiter wird der Sachverhalt zur Unkenntlichkeit verdreht: Was im Prinzip bedeutet, dass jeder, der einen komplizierten Sachverhalt nicht mit einfachen Schwarzweißparolen dargestellt sehen will, ein Nazi ist. Falsch: die Beschwerde bezog sich nicht auf komplizierte Sachverhalte, sondern immer noch auf die Bezeichnung "charakterlose Schluffis" für Nazi-Täter und die Forderung, über das Dritte Reich die Klappe zu halten.
  • Es fällt nicht schwer, die Verbrechen des NS-Regimes ethisch einzuordnen, schreibt eraser, zugleich fordert sie von "uns allen", die damals nicht gelebt haben, dass wir die Klappe halten und uns kein Urteil erlauben, womit sie die Deutungshochheit für sich monopolisieren will.
  • Die nachdrückliche Beteuerung, man habe erasers Beitrag bedauerlicherweise missverstanden, wird nirgends begründet. Wer das Schreiben Beruf und Berufung nennt, muss sich gefallen lassen, dass man seiner Sprache und seinem Duktus mehr Aufmerksamkeit schenkt als der Sprache und dem Duktus anderer User im Forum, und dass man seine Aussagen so versteht, wie sie formuliert sind – weil man in diesem Fall davon ausgehen kann, dass die Schreibende in der Lage ist, das zu formulieren, was sie ausdrücken will. Was gibt es an erasers Satz, dass Nazi-Täter charakterlose Schluffis gewesen seien, und dem von ihr geäußerten Wunsch, dass Leute, die das Dritte Reich nicht erlebt haben, die Klappe halten sollten, zu deuteln?
  • Stattdessen übt eraser Kritik an der Reaktion auf das vermeintliche Missverständnis und unterstellt dem Kritiker, der seine Kritikpunkte deutlich benannt hat, eine nicht-inhaltliche Intention: in der Absicht verfasst, mich persönlich zu beleidigen.
  • Zum Schluß noch eine Ablenkung: der Ehrenburg-Exkurs. Kein Wort über „charakterlose Schluffis“ und die Aufforderung, über das Dritte Reich die Klappe zu halten.

Als eraser erfuhr, dass Valentin die gleiche IP wie Colin und lilox verwendete, unterstellte sie den beiden eine Intrige und Mobbing (eraser scheint der Ansicht zu sein, dass niemand sie kritisieren darf, insbesondere niemand, dem sie schon einmal irgendwo begegnet ist – wenn doch, muss es wohl eine Intrige sein).
Diese Unterstellung verwendete sie, um Colins Meinungsäußerungen in der Diskussion des Moderationsteams, die ihr anscheinend ungelegen kamen, für befangen zu erklären - Colin verlangte nämlich, dass eraser Verantwortung für ihre Äußerungen übernehmen solle und sich wegen ihrer Mails bei Valentin entschuldigen solle - und zu fordern, dass Colin aus der Entscheidungsfindung des Moderationsteams ausgeschlossen werden soll. Ihre eigene Darstellung, die sich um alles mögliche außer um die tatsächlichen Kritikpunkte drehte, wollte sie dagegen als objektiv verstanden wissen.
Valentins Forderung, dass eraser sich bei ihm für aus seiner Sicht beleidigenden, mit Drohungen versehenen und erpresserischen Mails entschuldige, wollte sie nicht entsprechen. Da sie diese Mails in ihrer Eigenschaft als Moderatorin des aspies.de-Forums und ohne Rücksprache mit dem Team verfasst hatte, wurde ihr Vorgehen auch im Moderationsteam kritisiert. Daraufhin verließ eraser das Moderationsteam und gab in diversen Foren bekannt, dass sie bei aspies.de gekündigt hätte. Tatsächlich war es so, dass ein Moderator, der Usern, die einen Beitrag bei der Moderation melden, mit Strafanzeige droht, in diesem Forum nicht mehr tragbar war.
Wir waren vom Verlauf dieser Begebenheit überrascht – eine anfangs simpel erscheinende Forenroutine (User meldet problematisches Posting an Moderation) wurde von eraser aufgebaut zu einem Machtkampf, zu einer Gewinner/Verlierer-Situation – wie Rainer ja auch im Klartext schrieb.

Dieses Ereignis haben wir als Beispiel ausgewählt, weil es unserer Ansicht nach die Art des Umgangs miteinander bei Aspies e.V. veranschaulicht. Einige Leute bei Aspies e.V. scheinen zu erwarten, dass nur sie selbst ihre Meinung äußern dürfen, andere aber nicht – zumindest nicht, wenn deren Meinung von ihrer abweicht. Es scheint in diesem Verein darauf anzukommen, wer etwas sagt, und nicht was er_sie sagt. So ging eraser gar nicht auf die Kritikpunkte ein, sondern versuchte vor allem, den Kritiker zu diskreditieren und die gesamte Diskussion im Moderationsforum dahin umzuleiten, um wem es sich dabei handle (a la 'ist die Person überhaupt berechtigt, meine Aussagen zu kritisieren?') und was die angeblichen Intentionen der Person waren. Man würde annehmen, dass Autist_innen sich mit den Inhalten einer Aussage beschäftigen, statt damit, Intrigen zu unterstellen, Intrigen zu konstruieren und Machtverhältnisse aufzubauen. Genau diese Konzentration auf das Inhaltliche ist schließlich der Grund, warum viele Autist_innen in verschiedensten Zusammenhängen – Schule, Beruf, Bekannte – Probleme bekommen: sie beachten ungeschriebene Hierarchien und Rangordnungen nicht, bemühen sich dementsprechend nicht darum, einen Platz in dieser Hierarchie zu bekommen und nehmen an, dass ein inhaltliches Problem inhaltlich diskutiert und gelöst werden sollte. Zumindest bei Aspies e.V. scheint das nicht der Fall zu sein.

Weiterführende Literatur: