Für ein glückliches Leben im Autismus-Spektrum

In Gedenken an Katie McCarron

Colin Müller, M.A.

KatieKatie McCarron war drei Jahre alt, als sie im Mai 2006 von ihrer Mutter, Karen McCarron, ermordet wurde. Am 17. Januar 2008 wurde die Mörderin in allen Anklagepunkten für schuldig befunden und zu 100 Jahren Gefängnis verurteilt. Die Anklage gegen Karen McCarron lautete auf vorsätzlichen Mord, Behinderung der Justiz und Verheimlichung eines Mordes.

Viele hatten befürchtet, dass die Geschworenen beeinflusst sein könnten durch die Presse, die in den Wochen nach dem Mord Mitgefühl mit der Mörderin äußerte und sogar meinte, dass der Drang, sein Kind zu ermorden, für die Eltern von autistischen Kindern üblich wäre.

Die Geschworenen ließen sich davon glücklicherweise nicht beeindrucken. Doch in der Presse liest man auch heute wieder sehr besorgniserregende Sätze:

In dem auf Video aufgenommenen Geständnis, das während der Gerichtsverhandlung abgespielt wurde, sagte McCarron zu Polizei, sie hätte nicht länger mit der Krankheit ihrer Tochter umgehen können. Menschen mit Autismus haben oft große Mühe ihre Impulse zu kontrollieren, und Kinder mit Autismus sind oft schwer zu handhaben.

St. Louis Post

Das impliziert, dass Katie schwierig zu handhaben gewesen sei, was nach Aussage ihres Vaters, ihrer Großeltern und anderer Verwandter nicht der Fall war. Mike McCarron schreibt auf der Website des Katherine ‚Katie’ McCarron Memorial Grove folgendes über Katie:

Sie war ein wunderschönes, geliebtes und glückliches kleines Mädchen. Jeden Tag wurde sie mit Liebe überschüttet und erwiderte sie mir Umarmungen, Küssen und Lachen. Katie liebte Musik; sie setze Wörter aus Kinder-Liedern ein, während meine Frau mit einer CD mitsang, das war ihre eigene Art von „Karaoke”. Sie tanzte gern, sie liebte es, hooky poky zu machen. Sie liebte es, zwischen Blumen und im hohen Gras zu sein. Sie sagte ich mag Gras. Sie hatte Spaß im Zoo und wegen des ganzen Drills und der Lernkarten konnte sie die Tiere benennen. Das hielt ich für ziemlich erstaunlich für so ein kleines Kind. Sie war außerdem das einzige kleine Kind in ihrer nicht-autistischen Kindergruppe, das ein Oktagon erkennen konnte. Meine Frau und mein Sohn haben eine Party für sie gemacht, als ich von ihrem Lehrer davon erfuhr.

Ähnliches kann man in einem älteren Artikel im Ballastexistenz-Blog lesen.

Zudem hatte Katies Mutter Katie seit etwa 20 Monaten nicht mehr in ihrer Obhut. Sie war nur wenige Tage, bevor sie sie ermordete, bei ihr.

Katies Vater Paul McCarron, der sich zur Zeit von Karen McCarron scheiden lässt, sowie Katies Großeltern und andere Verwandte haben mit Respekt und Stolz von ihrem geliebten Kind gesprochen. In einer Stellungnahme im Namen der Familie McCarron schreibt Katies Vater:

Ich bitte alle Eltern und besonders die von Kindern mit Behinderungen, IMMER eure Kinder zu lieben und stolz auf sie zu sein.

Katie

Die McCarrons haben Fotos von Katie bereitgestellt und laden dazu ein, diese zu verwenden, um die Erinnerung an Katie zu bewahren. Ihre einzige Bedingung ist, dass die Bilder verwendet werden, um Katie als das wundervolle, wertvolle und glückliche Kind zu zeigen, das sie war. Sie untersagen eine Verwendung der Bilder als Teil der Botschaft, dass Katie (unter Autismus) gelitten hätte oder eine Last gewesen wäre, dass Katies Tod mit einem Mangel an Unterstützung für Eltern autistischer Kinder zu tun gehabt hätte oder dass er Symptom einer Verzweiflung wäre, die von anderen Familien autistischer Kinder geteilt würde. (Letzteres wurde unter anderem von der Autism Society of Illinois und die lokale Elternselbsthilfegruppe ANSWERS verbreitet, wird aber auch von manchen Autisten vertreten. Mike McCarron, Katie McCarrons Großvater schrieb, dass er sich verlassen und verraten fühlt von solchen „Interessenvertretern”). Er sagte:

Auch ich habe die Kommentare der sogenannten „Interessenvertreter” einfach nur satt. Wie können Leute, die so tun, als ob sie das Wohl für Kinder mit Autismus verkörpern, den Mord an einem wundervollen und lieben kleinem Kind ignorieren.
Wenn ich die Einleitung in der Zeile Ich heiße den Mord nicht gut, aber… sehe, muss ich mich festhalten, weil ich weiß: jetzt kommt es. Der Interessenvertreter gibt im weiteren praktisch zu, dass es OK ist, oder verständlich, weil Katie Autismus hatte. Wenn diese Leute Interessenvertreter für Menschen mit Autismus sind, dann kann ich mir nicht ausmalen, wie die Gegner sein müssen.

Zahlreiche Zeug_innen sagten aus, dass Karen McCarron, eine frühere Ärztin, ihre autistische Tochter nicht akzeptieren konnte und besessen war von dem Gedanken, eine Heilung zu finden. Als ihr das nicht gelang und die Familie es ablehnte, Katie in ein Heim zu geben und zur Adoption freizugeben, entschied sie sich für den Mord.

Rettdevil weist darauf hin, dass es kein Zufall sein kann, dass dieser und zwei weitere Morde an autistischen Kindern innerhalb von ein bis zwei Wochen nach dem Ausstrahlen des Propaganda-Videos von AutismSpeaks passierten. Dieses Video ruft zur Gewalt gegen autistische Kinder auf. Autism Diva und AutismVox halten das Video „Autism Every Day” von Autism Speaks ebenfalls für den Wendepunkt in Karen McCarrons Entscheidung, ihre Tochter zu ermorden.

In diesem Video erzählt die Vertreterin von Autism Speaks, Alison Tepper Singer, von ihrem früheren Ansinnen, sich selbst und ihre autistische Tochter zu töten, und zwar in Gegenwart der betreffenden Tochter. Sie fügt hinzu, dass sie nur ihrer weiteren, nicht-autistischen Tochter zuliebe auf den Mord und Selbstmord verzichtet habe. Niemand in dem Video zeigt Entsetzen oder Scham über die Tötungsabsicht von Singer. Die Message ist dabei folgende: es ist okay, über die Ermordung deines autistischen Kindes nachzudenken, schließlich sind es abscheuliche Bestien. Ob Karen McCarron das „Autism Every Day”-Video gesehen hat, ist nicht bekannt, aber auch wenn sie es nicht gesehen hat, war sie mit Sicherheit der erbarmungslosen Negativität und der verzerrten Hoffnung der Quacksalber ausgesetzt, die Heilung von Autismus verkaufen, nach der sie wie besessen suchte.

Katie McCarron wird nicht mehr lebendig. Daran ändert auch die Verurteilung ihrer Mörderin nichts. Doch die Verurteilung der Mörderin ist ein Zeichen der Wertschätzung von Katie und ihrem kurzen Leben. Und vielleicht gibt sie Katies Vater, ihren Großeltern und anderen Verwandten die Möglichkeit, zumindest mit einem Teil des Geschehens abzuschließen.

Trees for Life

Foto © Trees for Life

Durch Spenden verschiedener Personen wurde der Katherine ‚Katie’ McCarron Memorial Grove ermöglicht. Die Organisation Trees For Life pflanzt Bäume im Kaledonischen Wald im schottischen Hochland, um diesen Wald zu bewahren und wiederaufzuforsten. Einige dieser Bäume sind Katie gewidmet; jeder kann sich mit einer Spende beteiligen.

Die autistische Community trauert um Katie McCarron – aktuelle Artikel:

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