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Petition zur Autismus-Forschung

Geschrieben von Autism Hub   
Freitag, 12 Januar 2007

Es gibt eine Petition an die US-Regierung bezüglich wie die National Institutes of Health (NIH) Gelder für die Autismus-Forschung verteilt. NIH wird in den kommenden Jahren hohe Beträge kontrollieren (im Zuge des "Combatting Autism Acts"). Die US-Regierung ist zur Zeit offen für Feedback bezüglich der Politik, nach der diese Gelder verteilt werden.

Die Petition ist bei Autism Hub zu finden. Grob gesagt, geht es darum, dass die Forschungs-Agendas zukünfig nicht mehr entstellt werden sollen durch negative Annahmen (=Vorurteile) Über die Fähigkeiten und das Potential autistischer Menschen.

Die Petition kann man auch unterzeichnen, wenn man kein_e US-Bürger_in ist - sie wird sich vermutlich auch auf andere Länder auswirken.
Wer die Petition unterzeichnen will, sollte das bis zum 16. Januar tun. Gebt diese Info weiter an alle, von denen ihr glaubt, dass sie die Petition unterzeichnen.

Mehr darüber lesen kann man auch bei Autism Diva.

Hier eine (schnelle, grobe und völlig inoffzielle) Übersetzung (um das Lesen denen zu erleichtern, denen es schwer fällt, englische Texte zu lesen):

Stellungnahme

Das vergangene Jahrzehnt bezeugte eine beschleunigte Geschwindigkeit der von NIH gefährderten Erforschung der Ursachen und des Wesens von Autismus. Die von NIH gefährderte Forschung näherte sich Autismus jedoch ausnahmslos aus einer pathologisierenden Sichtweise: Autismus wird als Krankheit, die geheilt werden muss, ausgemalt, und autistische Bürger_innen werden ausschließlich anhand ihrer Defizite und Beeinträchtigungen charakterisiert.

Ziehe ein gegensätzliches und höchst erfolgreiches Model für wissenschaftliche Untersuchungen in Betracht:

"Vor zwanzig Jahren assoziierten die meisten Wissenschaftler_innen ein hohes Alter mit Verfall und Behinderung... Heute ist das Konzept des Alterns ein anderes... Eine wichtige Rolle bei dieser Verschiebung im Denken kann auf das Jahr 1984 zurückgeführt werden, als die MacArthur Foundation eine Gruppe von Wissenschaftler_innen aus sehr unterschiedlichen Feldern zusammenbrachte - Ärzt_innen, Psycholog_innen, Soziolog_innen, Zellbiolog_innen und andere, um eine intensive, zehn Jahre andauernde Untersuchung des Alterns einzurichten. Diese Gruppe, das MacArthur-Netzwerk zum erfolgreichen Altern (MacArthur Network on Successful Aging) nahm eine einfachen, aber radikale Herangehensweise zu seiner Forschung. Anstatt sich auf die Probleme von Krankheit und Behinderung, die mit dem Altern assoziiert werden, zu konzentrieren, was die anerkannte Herangehensweise der gerontologischen Forschung zu dieser Zeit war, entschied sich das Netzwerk, Menschen zu untersuchen, die gut altern."1

Wir glauben, dass die wissenschaftliche Erforschung von Autismus radikal neu orientiert werden muss, ebenso wie die Forscher_innen im MacArthur-Netzwerk die wissenschaftliche Erforschung des Alterns radikal neu orientiert haben. Statt Autismus weiterhin als eine Krankheit zu betrachten, denken wir, dass NIH anfangen muss, Autismus in der selben Menschenrechtsperspektive zu konzeptualisieren, wie es sexuelle Orientierung konzeptualisiert (die bis vor 30 Jahren noch eine schwere psychische Störung war, wie Autismus jetzt 2). Statt weiterhin Untersuchungen zu unterstützen, die nur darauf abzielen, autistische Defizite zu ermitteln, denken wir, dass NIH anfangen muss, Forschung zu unterstützen, die die einzigartigen Stärken autistischer Menschen ermittelt. Und statt die Unterschiede in der Biologie und im Verhalten zwischen autistischen und nicht-autistischen Bürger_innen (von denen viele nicht größer sind als die zwischen Männern und Frauen), denken wir, dass NIH anfangen muss, die Vielfalt zu begrüßen, die autistische Bürger_innen verkörpern.

Wir mahnen NIH, diesem Ziel in der zukünftigen Autismus-Forschung gerecht zu werden:

1. Autismus als neurologischen Unterschied zu verstehen, der in untypischen Arten des Wahrnehmens, Denkens und Handelns resultiert;
2. die Stärken und Kompetenzen, die autistische Individuen besitzen, empirisch zu identfizieren; und
3. eine wissenschaftliche Antwort darauf zu bieten, wie autistische Individuen sich erfolgreich entwickeln und leben können - als autistische Individuen.

Es kann kaum einen Zweifel geben, dass eine solche Re-Konzeptualisierung dazu führen wird, dass Autist_innen erfüllendere und respektiertere Leben führen und Nicht-Autist_innen harmonischer unter Autist_innen leben.


Quellen und Anmerkungen:

1. http://www.macfdn.org/anniv/fostering_new_knowledge/network_on_successful_aging.htm 2. Es sollte angemerkt werden, dass sexuelle Orientierung an sich nie als schwere psychische Störung betrachtet wurde; es war die Art sexueller Orientierung in der Form von Homosexualität, die als schwere psychische Störung betrachtet wurde, wohingegen die Art sexueller Orientierung in der Form von Heterosexualität als völlig gesund betrachtet wurde, in psychiatrischer Kurzfassung. Deshalb formulieren wir diese Zeile um in: "... wir denken, dass NIH anfangen muss, Autismus in der selben Menschenrechtsperspektive zu konzeptualisieren, wie es Homosexualität konzeptualisiert (die bis vor 30 Jahren noch eine schwere psychische Störung war, wie Autismus jetzt.)

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