Workshop „Autismus-Begriff in den Medien“ |
| Geschrieben von enfant terrible | |
| Donnerstag, 28 Juni 2007 | |
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„Autismus“ als Schimpfwort zur Verunglimpfung von (politischen) Gegnern erfreut sich in der Politik und den Medien einer großen Beliebtheit. „Rechtsblinden Autismus“ nannte Claudia Roth, Bundesvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN die Verurteilung eines Händlers von Anti-Nazi-Symbolen durch das Landgericht Stuttgart. Trotz vielfacher und begründeter Beschwerden steht die Pressemitteilung PM Nr. 183/06 vom 30.09.2006 immer noch auf der Homepage der Grünen. „Ich weise den Vorwurf der multiplen Persönlichkeit zurück und gebe das Kompliment an Sie als Autisten weiter“, verkündet Christine Stahl (GRÜNE) im Bayerischen Landtag am 18. Oktober 2006. „Sie haben Herrn Kollegen König persönlich als 'Autisten' bezeichnet. Ich hätte Ihnen dafür schon eine Rüge erteilen können“, erwidert ihr die Erste Vizepräsidentin Barbara Stamm. „Autisten raus aus der Ökonomik“, fordert die TAZ - „Endlich muss die unhistorische, geradezu autistische Art des Ökonomisierens durch eine wirklichkeitsverankerte, auf Gestaltungsmöglichkeiten ausgerichtete Ökonomik abgelöst werden.“, erklärt Rudi Hickel. „Nüchtert der Chef aus, mutiert der Matti zum fast autistisch stammelnden Unterschichtler.“, steht im Kultur-Teil des Spiegel vom 11. März 2007. Katrin Ullmann hat sich in ihrem Artikel in der Stuttgarter Zeitung vom 02.03.2007 „Die Königin von Schottland thront auf einem Foltersessel“ etwas ganz Kurioses einfallen lassen: „... um anschließend mit fröstelnd verschränkten Armen an den Ecken und Kanten des Bühnenbilds Halt zu suchen oder autistisch verloren neben sich zu stehen. ...“. Ich habe noch nie gesehen, wie jemand „autistisch verloren“ neben sich stand, allein um dies zu erleben, sollte ich diese Theatervorstellung nicht verpassen! Von Edmund Stoibers autistischer Selbstdemontage weiß Martin Böttger von www.freitag.de zu berichten. „Denn Autismus ist kein Individualmerkmal des Herrn Stoiber, sondern breitet sich auch dort aus, wo die Parteien ihr Personal gewinnen und entwickeln“, führt er weiter aus. Politikautismus, Verwaltungsautismus, Temporärer Autismus oder Autismus im letzten Stadium, ministerpräsidentieller und ängstlicher Autismus - die Fantasie der Politiker und Journalisten im Erfinden neuer, erstaunlich dämonischer und sinnbefreiter Autismen erscheint unbegrenzt. „Offenbar ist 'Autismus' zu einem metaphorischen Sammelbegriff für Brutalität, Egozentrik, Selbstbetrug und Verlogenheit, für die Unfähigkeit, andere neben sich existieren zu lassen, für Vertreibung und Völkermord geworden, der den kollektiven Abscheu der sich überlegen fühlenden demokratischen Staaten ausdrücken soll.“, fasst der Autor des Artikels „Autismus als Metapher für 'das Böse'?" zusammen, „Die Bezeichnung 'Autist' wurde allerdings schon vor seiner gegenwärtigen Vereinnahmung als politisches Modewort denunziatorisch gebraucht, und es gibt eine Reihe von haarsträubenden populärwissenschaftlichen "Erkenntnissen", die sich von Forschungsergebnissen keineswegs irritieren lassen. So hörte ich vor kurzem, daß jeder von uns einen "kleinen Autisten" in sich herumtrage, den es zu bekämpfen gelte. Ersetzt hier der Autist den vom Nazi-Jargon so genannten "inneren Schweinehund"?“ Was können wir dagegen tun? Diesem Thema haben wir auf der Selbsthilfe-Tagung in Ranspach einen Workshop gewidmet. Die meisten Teilnehmenden waren sich einig, dass durch solchen Missbrauch des Autismus-Begriffs eine Umdeutung stattfindet, der wir vorbeugen müssen, bevor sich das trendige „Schimpfwort“ allgemein etabliert und im „normalen Alltag“ verwurzelt. Folgende Ideen haben wir bisher diskutiert:
Beschwerde beim Deutschen PresseratDer Presserat besitzt vier Sanktionsmöglichkeiten:
„Preisverleihung“Der Verein der braune mob e.V. verleiht eine „braune Karte“ für rassistische Entgleisungen. Wir können uns überlegen, wie wir unsere „Preisverleihung“ gestalten.
FlyerEinen Leserbrief schicken und einen Flyer beifügen, in dem wir kurz und verständlich erklären, was Autismus ist und was er nicht ist.
Offener BriefAutistenfeindliche Presseäußerungen mit einem Offenen Brief kommentieren und die Korrespondenz auf unserer Website veröffentlichen.
Information im WahlkreisWahlkreis der betreffenden Politiker über ihre Äußerungen informieren.
AnzeigenRegelmäßig Anzeigen in Zeitungen und Zeitschriften schalten und über Autismus-Spektrum aufklären. |
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