Autistisch gut leben.

Dieser Artikel zeigt dir, wie du deine eigene persönliche Berufsplanung beginnen kannst.

Du findest hier einige praktische Werkzeuge und Techniken an die Hand, die dich bei deinen Überlegungen und der Planung deines Berufswegs unterstützen.

Die Entscheidung für eine berufliche Laufbahn muss nicht schwer sein, aber sie erfordert Mühe und Überlegung. Um dir die Entscheidung so leicht wie möglich zu machen, haben wir einige intuitive Tools und Ratschläge ausgewählt und an einem Ort zusammengefasst, um dir zu helfen.

Es gibt keinen absolut richtigen oder falschen Weg, Entscheidungen zu treffen. Alle haben einen potenziellen Wert, also probiere ein paar aus und sieh, was für dich funktioniert.

Verbreitete Mythen

Vielleicht stößt du auf eine Reihe von Mythen, wenn es um Karriere-Entscheidungen geht. Der am weitesten verbreitete ist, dass dein Abschluss deinen Berufsweg bestimmt. Das ist nicht wahr! Wenn du dir die Seite deiner Universität auf LinkedIn ansiehst, klicke auf die Registerkarte »Alumni« und du wirst Details über frühere Absolvent*innen sehen, welchen Abschluss sie hatten und in welcher Funktion sie jetzt tätig sind.

Du wirst feststellen, dass es für Personen mit demselben Abschluss eine große Bandbreite an Karrieremöglichkeiten und Berufspositionen gibt. (Hinweis: Nicht jede Universität hat eine Registerkarte »Alumni« auf Linkedin – wenn deine Universität keine hat, schau bei einer anderen Universität nach)

Ein weiterer Mythos besagt, dass man genau wissen muss, welchen Beruf man ergreifen möchte, bevor man sich auf die Suche nach einem Arbeitsplatz machen kann. Das kann dazu führen, dass Studierende ihre Entscheidung hinauszögern, weil sie sich nicht zu 100 % sicher sind, welchen Beruf sie ergreifen wollen. Aber es ist ganz normal, dass man unsicher ist.

Sobald du deine erste Stelle angetreten hast und siehst, welchen Weg andere vor dir eingeschlagen haben, wird dein eigener Berufsweg klarer werden.

Wie kann sich das auf dich auswirken?

Die Berufplanung wird oft als »iterativer Prozess« beschrieben. Einfach ausgedrückt bedeutet dies, dass du wahrscheinlich eine Reihe von Karriereideen und -schritten durchlaufen wirst. Du wirst an Selbstvertrauen und Erfahrung gewinnen, während du dich dem richtigen Bereich immer mehr annäherst.

Bei der Entscheidung für einen möglichen Beruf musst du dich über verschiedene Aufgaben und Möglichkeiten informieren, um deine Wahl zu treffen.

Die autistischen Studierenden, mit denen wir gesprochen haben, sagten uns, dass dies entmutigend sein kann, da es viele Möglichkeiten gibt, mit denen du beginnen kannst. Es gibt Hunderte von Berufsmöglichkeiten für Hochschulabsolvent*innen, und die meisten Menschen kennen nur einige davon direkt.

Um herauszufinden, welche künftigen Aufgaben deinen Fähigkeiten und Interessen entsprechen, solltest du unbedingt mit einer Berufsberater*in an deiner Universität sprechen (in der Regel kannst du dich auch nach deinem Abschluss beraten lassen).

TIPP: Nimm ein Exemplar des IMAGE-Leitfadens für Berufsberater*innen zu deinem Termin mit, um der Berater*in zu helfen, besser zu verstehen, was es bedeutet, autistisch zu sein, und welche Unterstützung für dich am besten geeignet ist.

Was kannst du als nächstes tun?

Nutze den IMAGE Career Plan Designer, um deine Zukunft zu planen. Oder – wenn du wirklich nicht weißt, wo du anfangen sollst, vereinbare jetzt einen Termin mit einer Berufsberater*in an deiner Universität

Praktische Tipps

1. Pro und Kontra

Es handelt sich um ein schnelles und einfaches Instrument zur Analyse einer bestimmten Stellenbeschreibung, das dir hilft, die Optionen für deine Berufswahl zu prüfen.

Überlege dir die Beschreibung einer Stelle, die dich interessiert. Teile ein Blatt Papier in zwei Spalten auf und liste in der linken Spalte alle positiven Eigenschaften der Stelle (die Pros) und in der rechten Spalte alle negativen Eigenschaften (die Cons) auf. Ein paar Tipps:

  • Überlege, welche Fähigkeiten oder Erfahrungen unerlässlich sind und was (nur) wünschenswert ist.
  • Wie gut passt die Stelle zu deinem Studienabschluss und deinen Fähigkeiten?
  • Was weißt du über das Arbeitsumfeld, z. B. die Büroräume?
  • Musst du umziehen, um die Stelle antreten zu können?
  • Wie würde das Pendeln aussehen?
  • Bist du mit den sozialen Aspekten der Rolle zufrieden, z. B. bei Tätigkeiten mit Kundenkontakt?

Die große Stärke des Tools besteht darin, dass es eine wirklich einfache Möglichkeit bietet, alle wichtigen Themen auf einmal zu sehen.

Du kannst hier eine Vorlage herunterladen: PROs und CONs.docx

Quelle: Hastie, R., & Dawes, R. M. (2001). Rational Choice in an Uncertain World. Sage, Thousand Oaks.

2. Erstelle einen Aktionsplan

Um herauszufinden, welche Rolle für dich in Frage kommt, befolge die folgenden 6 Schritte:

  • Identifiziere zunächst das Problem – das wird wahrscheinlich lauten: »Ich möchte einen Job finden, weil…«.
  • Lege deine Entscheidungskriterien fest – was ist dir an deinem neuen Arbeitsplatz wichtig, z. B. Standort, Gehalt, Aufgaben.
  • Gewichte die Entscheidungskriterien – gib jedem eine Note von 1 bis 5, wobei 5 die wichtigste ist.
  • Erarbeite Alternativen – welche beruflichen Optionen entsprechen deinen Entscheidungskriterien?
  • Bewerte Alternativen – vergleiche die Optionen und ordne diese nach deinen Bedürfnissen ein
  • Wähle die beste Alternative – wähle auf der Grundlage der Kriterien und der Rangfolge die beste Option

3. Gestalte deinen persönlichen Karriereweg

Aufbauend auf deinem Aktionsplan kannst du nun deinen persönlichen Karriereplan erstellen. Dafür haben wir ein Werkzeug entwickelt: Den IMAGE Karriereplan-Designer. Doch bevor du dich auf den Weg dorthin machst, solltest du die folgenden Schritte und Ziele berücksichtigen, von denen uns andere Studierende berichtet haben:

  • Sieh dir eine Reihe von Stellenanzeigen an und ermittele die wichtigsten technischen Anforderungen und Qualifikationen, die Arbeitgeber*innen stellen.
  • Ermittle deine eigenen Fähigkeiten, Stärken und Vorlieben. Die Tools zur Profilerstellung in diesem Toolkit können dir helfen, dein Ziel zu erreichen.
  • Verfasse deinen Lebenslauf.
  • Wenn du in einem kreativen Bereich tätig bist, sieh dir die Profile anderer Leute auf Websites wie https://www.behance.net/ oder https://dribbble.com/ an. Erstelle dort dein eigenes Profil.
  • Erstelle eine Liste von Freund*innen und Familienmitgliedern in deinem Netzwerk, teile ihnen mit, welche Arbeit du suchst, bitte sie um Feedback und frage, wie sie dir bei deinem Ziel helfen können.
  • Mache einen Freiwilligendienst oder ein Praktikum, um Erfahrungen in einem Unternehmen zu sammeln, in dem du gerne arbeiten würdest.
  • Ermittle deine Kompetenzlücken und arbeite dich durch die entsprechenden (kostenlosen) Online-Tutorials.
  • Wenn du die relative Anonymität des Internets bevorzugst, richte ein LinkedIn-Konto ein und suche nach Personen, die die gleiche Art von Kurs wie du absolviert haben und jetzt berufstätig sind. Welche Aufgaben haben sie? Wie beschreiben sie sich selbst?
  • Erstelle ein LinkedIn-Profil. Dann kannst du dich bei LinkedIn, bei Personalvermittlungsagenturen oder in sozialen Medien als arbeitssuchend melden.
  • Ermittle die angemessenen Anpassungen, die dir helfen, deine Fähigkeiten bestmöglich zu nutzen (verwende dieses Tool im Profile Builder)
  • Bewerbe dich um eine Stelle oder eine Beförderung.
  • Bereite dich auf ein Vorstellungsgespräch vor, indem du mit einer Freund*in oder einem Familienmitglied übst.
  • Bitte bezüglich des Vorstellungsgesprächs um angemessene Anpassungen, wenn du sie brauchst (verwende dieses Tool im Profile Builder).

4. Bring dich in die richtige Stimmung und Gemütsverfassung

Entscheidungen über deine berufliche Laufbahn zu treffen, ähnelt dem Lösen von Problemen. Es gibt eine Fülle von Forschungsergebnissen, die zeigen, dass Menschen deutlich kreativer sind, wenn sie sich in der richtigen Stimmung befinden.

Im Folgenden findest du einige praktische Tipps, die dir dabei helfen, Karriereentscheidungen zu treffen, während du dich wohl und positiv fühlst:

  • Beginne mit einer positiven Stimmung. Es gibt einige Möglichkeiten, wie du deine Stimmung verbessern kannst. Du kannst zum Beispiel positive Musik hören oder an schöne Erinnerungen denken.
  • Die Entscheidung für einen geeigneten Beruf kann entmutigend und überwältigend sein. Zerlege deine Ideen in überschaubare Abschnitte. Denke in Schritten und nicht nur an das Endziel.
  • Es ist jedoch sinnvoll, sich Gedanken darüber zu machen, wo du am Ende hinwillst. Mach dir einen Plan, wie die Schritte dorthin führen.
  • Berufspläne werden nicht auf »in Stein gemeißelt«, also nicht auf ewig festgelegt. Nimm dir Zeit, entferne dich von der Aufgabe und mache einen Spaziergang. Du kannst später immer noch zurückkommen, deinen Ansatz ändern und anpassen.
  • Entscheidungen zu treffen kann sehr anstrengend sein. Schlafmangel wirkt sich nachweislich stark auf die Stimmung aus und führt zu einem negativen Ausblick. Gehe an große Entscheidungen heran, wenn du gut ausgeruht bist.

5. Andere Tipps

  • Tue Dinge (innerhalb oder außerhalb des Studiums), die dir helfen, deine Stärken und Interessen zu entwickeln und sehen, wohin sie dich führen.
  • Biete deine Zeit und deine Fähigkeiten freiwillig an, wo du kannst. Beispiele sind außerschulische Aktivitäten, für die deine Tutor*innen Freiwillige brauchen, eine örtliche Wohltätigkeitsorganisation, der Pfadfinderverband usw.
  • Sei neugierig auf die Berufe, die die Menschen ausüben, und auf das, was sie an ihnen mögen. Wenn du nach Stellen recherchierst oder mit Menschen sprechen kannst, die diese Tätigkeiten ausüben, wird dir das helfen.
  • Notiere dir Ideen und Fragen zu Berufen und komme immer wieder darauf zurück, damit deine Ideen mit der Zeit reifen.
  • Praktische Erfahrung ist ein großer Vorteil bei der Stellensuche. Wenn du die Möglichkeit hast, ein Praktikum, eine Freiwilligenarbeit oder ein Projekt in einem Bereich zu absolvieren, der dich interessiert, solltest du diese Gelegenheit nutzen.

Autorin: Die in diesem Artikel beschriebenen Instrumente wurden von Claire Aydogan, University of Huddersfield, UK, zusammengestellt (Original). Der Text ist lizenziert unter der Creative Commons Attribution 4.0 Lizenz. Er wurde übersetzt.

Zuletzt bearbeitet am 03.06.2026.