Autistisch gut leben.

Ich habe einen Text für den Neurodiversity Reader geschrieben, und es hat Spaß gemacht!

Der englischsprachige Sammelband »The Neurodiversity Reader: Exploring concepts, lived experience and implications for practice« bringt Arbeiten von Pionier*innen der Neurodiversitätsbewegung und darüber hinaus zusammen, um die mit Neurodiversität verbundenen Konzepte kritisch zu beleuchten und ihre praktische Umsetzung zu diskutieren.

The Neurodiversity Reader: Cover

Das Konzept der Neurodiversität lässt sich bis in die späten 1990er-Jahre und die Arbeit der autistischen australischen Soziologin Judy Singer (1998) zurückverfolgen. Seine Ursprünge liegen in der Bewegung für die Rechte autistischer Menschen, die einige Jahre zuvor ihren Anfang genommen hatte.

Judy Singer schlug ihn als neue Kategorie für intersektionale Analysen vor und nutzte ihn als Leitbegriff für die entstehenden sozialen Bewegungen, die sich für die Bürgerrechte von Menschen mit verschiedenen, medizinisch stigmatisierten neurologischen Diagnosen einsetzten. Sie orientierte sich dabei am Konzept der Biodiversität und dessen These, dass ein Ökosystem umso widerstandsfähiger und nachhaltiger ist, je größer die Diversität innerhalb seiner Mitglieder ist.

In den 20 Jahren seit der Entstehung des Konzepts ist eine starke internationale Bewegung entstanden, die sich für die Bürgerrechte derjenigen einsetzt, die von idealisierten Normen abweichen und als „neurodivers“ gelten. Sie vertritt den Slogan „Nichts über uns ohne uns“.

Parallel zu dieser politischen Bewegung wuchs das akademische Interesse am Konzept der Neurodiversität und dessen Relevanz für die Praxis und die Bereitstellung von Dienstleistungen.

Diese Sammlung untersucht die Geschichte der Bewegung, die sie prägenden Konzepte und mögliche zukünftige Entwicklungen. Anhand verschiedener Beiträge werden die Relevanz und Kritik dieser Konzepte für das Verständnis von uns selbst und anderen sowie ihre praktischen Implikationen beleuchtet.

Aus meiner Sicht ist es eine lohnenswerte Lektüre für Fachleute und Studierende, die sich mit neurodivergenten Erfahrungen und Behinderungen beschäftigen, und auch für neurodivergente Menschen selbst.

Milton, Damian, Susy Ridout, Dinah Murray, Nicola Martin, and Richard Mills (Hrsg.). The Neurodiversity Reader: Exploring concepts, lived experiences and implications for practice. Pavilion, 2020. ISBN: 9781912755394

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Auch ich habe einen der Texte für den Neurodiversity Reader geschrieben. Ich hatte durch Zufall von dem Projekt erfahren und fand das Thema einfach zu spannend, um nichts dazu zu schreiben. Und mein Text wurde angenommen und ist jetzt Kapitel 9: »From neuronormativity to neurodiversity: changing perspectives on autism«.

Für mich war es eine schöne Erfahrung, zu diesem Sammelband beitragen zu dürfen und Teil dieses tollen Projekts zu sein. Und sehr schön war es auch, die Texte der anderen zu lesen. Es ist wirklich ein tolles Buch mit vielen interessanten Perspektiven geworden.

The Neurodiversity Reader: Die einzelnen Beiträge

Ein »Reader« ist ein Buch, das Texte unterschiedlicher Autor:innen vereint, und hier seht ihr, welche es sind:

Kapitel 1:
Damian E. M. Milton
Neurodiversity past and present – an introduction to the neurodiversity reader

Kapitel 2:
Mike Lesser and Dinah Murray, Autism & Computing, London, UK
Mind as a Dynamical System – Implications for Autism

Kapitel 3:
Dinah Murray
Dimensions of difference

Kapitel 4:
Gemma L. Williams, University of Brighton
Perceptual deviants: understanding autistic subjectivities in a (not so) predictable world

Kapitel 5:
Robert Chapman, Department of Philosophy, University of Bristol
What kind of thing is autism?

Kapitel 6:
Chloe Farahar and Louis Bishopp-Ford
Stigmaphreniac: Reducing mental health stigma with a script about neurodiversity

Kapitel 7:
Maura Campbell
Neurodiversity: not just about autism!

Kapitel 8:
Donna-Lee Ida, BSc. (Hons), UMHAN
Multiplicity and neurodiversity – exploring potential in Deleuzoguattarian social theory for furthering a paradigm shift

Kapitel 9:
Linus Mueller
From neuronormativity to neurodiversity: changing perspectives on autism

Kapitel 10:
Fergus Murray
Neurodiversity is for everyone

Kapitel 11:
Carl Cameron
An act of resistance

Kapitel 12:
Paul Davies
New light through old windows

Kapitel 13:
Anon
Female neurodiversity and the emotional leeching boyfriend

Kapitel 14:
Susan Harrington
The perpetual bookworm – avid reading and the moment the penny dropped

Kapitel 15:
Paul Wady
A few words on a lot of living

Kapitel 16:
Anna Barzotti
Communicating away the barriers

Kapitel 17:
Dr Michael McCreadie and Dr Damian Milton
Autism: understanding behaviour

Kapitel 18:
Owen McGill, MSc, BSc (Hons), School of Education, University of Strathclyde
Challenging Behaviour(ists) – Neurodiverse Culture and Applied Behaviour Analysis

Kapitel 19:
Olatunde Spence
‘Zero tolerance’ of black autistic boys: are schools failing to recognise the needs of African Caribbean boys with a diagnosis of autism?

Kapitel 20:
Jessica Leza, MA, MT-BC
Neuro-queering music therapy

Kapitel 21:
Dr Rebecca Wood
From difference to diversity in school

Kapitel 22:
Sharon Elley, Angie Balmer, John Wilson and Akiva Secret
‘I’d like to tell them what gets left-out or ‘unsaid’: Autism, neurodiversity and employment experiences in neoliberal times

Kapitel 23:
Lisa Cromar
A literature review exploring the efficacy of person-centred counselling for autistic people

Kapitel 24:
Tania Browne
Autism and addiction

Kapitel 25:
Dr Susy Ridout (Associate Lecturer (Neurodiversity and Inclusion), Oxford Brookes
University)

Establishing neurodivergent authorship in the sexual violence debate

Kapitel 26:
Professor Nicola Martin. PhD London South Bank University (LSBU)
Critical Autism and Disability Studies Research Group

University through the eyes of autistic students and staff

Kapitel 27:
Marion Hersh, Sharon Elley, Zyggy Banks, Panda Mery, David Cowan & Cal Watson
Accessing services and social interaction: strategies used by autistic people

Ihr seht, es sind sehr unterschiedliche Themen dabei, und vielleicht ist das die beste Art, über Neurodiversität zu schreiben:mit Autor:innen, deren Perspektiven so vielfältig sind wie die Neuolbiologie der Menschheit.

Zuletzt bearbeitet am 03.06.2026.

Linus Mueller
Linus Mueller, M.A.

Linus Mueller befasst sich seit über 20 Jahren mit Autismus. Er hat hat sein Studium an der Humboldt-Universität zu Berlin mit einer Magisterarbeit über Autismus und Gender abgeschlossen und in mehreren Autismus-Organisationen gearbeitet, bevor er Autismus-Kultur gründete. Linus ist selbst autistisch und Vater zweier fabelhafter Kinder.