Für ein glückliches Leben im Autismus-Spektrum

“Ich bin Autist und das ist gut so”

Mama

Mutter und Kind, Hände halten“Ich bin Autist und das ist gut so” sagte meine Tochter irgendwann aus heiterem Himmel Sonntag früh beim Frühstück. Eine Aussage, die mich tief in meinem Herzen noch heute berührt. Ein langer Weg für uns bis zu diesem Tag. Lange wusste ich nicht, was meine Tochter hat. Sie ist anders. Scheu im Umgang mit Menschen. Sie sieht sie ungerne direkt an und spricht nicht mit der Umwelt – nur mit mir. Sie lässt sich nicht gerne berühren und dennoch kuschelt sie manchmal Stunden mit mir. Ich scheine ihre ausgewählte Verbindung nach draußen zu sein, derjenige dem sie vertraut, ihr Übersetzer in einer fremden Welt. Irgendwann die Diagnose – Autismus. Ich hätte sie nicht gebraucht. Die Umwelt schon. Für mich ist und bleibt sie der liebenswerteste Mensch, den es gibt auf der Welt. Sie ist einzigartig und wundervoll. Alleine die Worte “Mama, ich hab Dich lieb” sind es wert gewesen immer wieder für sie und mit ihr zu kämpfen. Sie ist eine Bereicherung. Unser Leben könnte so schön sein, wäre das Unverständnis der Umwelt nicht. Menschen, die nach Äußerlichkeiten beurteilen – verurteilen. Menschen, die nicht akzeptieren, dass auch ein Autist sehr wohl alleine entscheiden kann. Entscheiden kann was oder wer ihm gut tut. Dass sie sich nicht verbiegen lässt in ihrem Meinungsbild. Unwissende Menschen, die diese Entscheidungen anzweifeln und versuchen sie umzustricken nach ihren Maßstäben. Damit sie in die Schublade mit der Aufschrift “Norm” wieder hineinpasst. Aber solange es mich gibt an ihrer Seite, wird dies nicht passieren. Und das ist sicher gut so. Denn es braucht Menschen in unserer Welt die “anders” sind. Genauso wie es schwarz und weiß gibt, gibt es bunt. Und Autismus ist für mich ganz bunt und lebendig und nichts worunter man zwingend leiden muss. Meist ist es die Umwelt die dieses Leid zufügt, weil sie das Anderssein nicht duldet. Darum versuche auch ich aufzuklären. Den Menschen zu zeigen, dass Autismus ein Teil unserer Gesellschaft ist – mit dazu gehört und dass wir von Autisten noch gehörig viel lernen können!

 

Mit diesem Text gewann “Mama” den dritten Platz unseres Autismus-Kultur Schreibwettbewerbs 2011.

Foto von Jonathan Cohen.

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