Autistisch gut leben.

Echolalie, das Wiederholen von Wörtern oder Sätzen, ist bei Kleinkindern ganz normal. Bei älteren Kindern und Erwachsenen deutet es auf ein sprachliches Problem hin, das zahlreiche Ursachen haben kann.

Was ist Echolalie? Definition und Bedeutung

Echolalie ist ein sprachliches Phänomen, das bei verschiedenen Behinderungen und Krankheiten auftreten kann. Es wird definiert als die unwillkürliche Wiederholung von Wörtern, Sätzen oder Teilen davon, die zuvor von einer anderen Person gehört wurden.

Das Wort ist abgeleitet von griechisch »echó« (Wiederhall) und »lalia« (Sprache).

In diesem Artikel werden wir uns genauer mit Echolalie befassen und ihre Bedeutung klären.

Wann spricht man von Echolalie?

Echolalie wird als wiederholte, oft sinnlose (oder sinnlos wirkende) Wiederholung von Wörtern oder Phrasen definiert, die zuvor von einer anderen Person gehört wurden. Sie ist eine normale Phase der Sprachentwicklung, kann aber auch ein Symptom sein, das bei verschiedenen Behinderungen oder Krankheiten des Gehirns und des Nervensystems auftreten kann.

Die zwei Arten von Echolalie

Es gibt zwei Arten von Echolalie: die unmittelbare und die verzögerte Echolalie.

Unmittelbare Echolalie

Die unmittelbare Echolalie tritt auf, wenn eine Person sofort auf eine Frage oder Anweisung reagiert, indem sie die Worte des Sprechers wiederholt. Dies ist häufig bei Kindern im Alter von 2-3 Jahren zu beobachten, die gerade erst anfangen zu sprechen.

Verzögerte Echolalie

Die verzögerte Echolalie tritt auf, wenn eine Person später Wörter oder Sätze wiederholt, die zuvor gehört wurden. Dies kann Stunden, Tage oder sogar Wochen später geschehen. Verzögerte Echolalie tritt häufig bei Menschen mit Schizophrenie auf.

Bei autistischen Menschen können beide Formen auftreten.

Echolalie: Beispiele

Hier sind einige Beispiele für Echolalie:

  • Ein Vater sagt »Magst du Eis?« und das Kind mit Echolalie antwortet: »Magst du Eis?«
  • Jemand fragt: »Wie geht es dir heute?« und die Person mit Echolalie antwortet: »Wie geht es dir heute?«
  • Ein Elternteil sagt: »Lass uns einkaufen gehen«, und die Person mit Echolalie antwortet: »Lass uns einkaufen gehen.«
  • Eine Person hört das Wort »Hund« und wiederholt es immer wieder, ohne dass ein Zusammenhang zur aktuellen Situation erkennbar ist.
  • Eine Person hört eine Fernsehsendung und wiederholt kontinuierlich Sätze oder Wörter, die in der Sendung vorkommen.

Diese Beispiele zeigen, dass Echolalie verschiedene Formen annehmen kann und in unterschiedlichen Kontexten auftreten kann.

Echolalie: Ursachen

Die genauen Ursachen von Echolalie sind nicht bekannt, aber es wird angenommen, dass es mit Störungen des Gehirns und des Nervensystems zusammenhängt. Weil Echolalie ein Symptom ist, hängen die Ursachen und Funktionen stark mit der zugrunde liegenden Behinderung oder Krankheit zusammen.

Kinder im Autismus-Spektrum verwenden Echolalie zum Beispiel, wenn ihnen noch keine effizientere Art der Kommunikation gelingt, aber manchmal auch als Stimming-Verhalten. Das Wiederholen von Worten und Sätzen kann ihnen auch helfen, die sensorischen Informationen zu verarbeiten, um das Gehörte zu verstehen.

Ich habe einen ausführlichen Artikel über Echolalie bei Autismus geschrieben, indem ich die Funktionen echolalischer Sprache für autistische Menschen beschreibe und zeige, wie man damit umgehen kann.

Auch bei ADHS kann Echolalie manchmal vorkommen, allerdings seltener.

Bei Menschen mit Schizophrenie tritt Echolalie als Symptom im Zusammenhang mit den Halluzinationen und Wahnvorstellungen auf, die mit dieser Krankheit verbunden sind.

Bei welchen Krankheiten und Neurodivergenzen tritt Echolalie auf?

Echolalie kann unter anderem auftreten bei:

  • Autismus
  • Schizophrenie
  • Tourette-Syndrom
  • Tic-Störungen
  • Zwangsstörung
  • ADHS
  • Alzheimer und andere Arten von Demenz
  • Parkinson
  • Schlaganfall
  • Gehirntumor
  • Gehirnverletzung nach Unfall

Eine sorgfältige Diagnostik ist wichtig, um die genaue Ursache zu bestimmen und unter Umständen zu behandeln.

Wenn Echolalie nach abgeschlossenem Spracherwerb auftritt, spricht man auch von einer transkortikalen Aphasie.

Echolalie bei Babys und Kleinkindern

Echolalie ist eine natürliche Phase der Sprachentwicklung bei Babys und Kleinkindern. Sie probieren aus, was man mit Wörtern und Sätzen machen kann. Durch das Nachsprechen üben sie die Laute zu produzieren und beobachten, welche Reaktionen darauf erfolgen.

Babys und Kleinkinder können dadurch mit anderen Menschen sprachlich interagieren, obwohl ihre verbalen Fähigkeiten noch nicht ausreichen, um eigene Sätze bilden.

Insgesamt ist Echolalie eine bedeutende Phase in der Sprachentwicklung von Babys und Kleinkindern. Eltern und Erziehende können diese Phase unterstützen, indem sie dem Kind viel Zeit und Raum geben, um Sprache zu hören und auszuprobieren. Auch das Lesen von Büchern und Singen von Liedern können dazu beitragen, die Sprachfähigkeiten des Kindes zu fördern.

Es ist auch wichtig, geduldig und einfühlsam zu sein, wenn das Kind versucht zu sprechen, und ihm dabei zu helfen, seine Sprachkenntnisse zu erweitern.

Wenn Eltern jedoch besorgt sind, dass das Kind Sprachprobleme hat, sollten sie sich an einen Sprachtherapeuten oder eine Ärztin wenden, um eine professionelle Beurteilung durchzuführen.

Insgesamt sollten Eltern und Erziehende bedenken, dass die Sprachentwicklung ein Prozess ist, der Zeit und Geduld erfordert.

Durch das Schaffen einer unterstützenden Umgebung und den Einsatz von kreativen Methoden können sie jedoch dazu beitragen, dass das Kind seine Sprachfähigkeiten verbessert und erfolgreich in die nächste Entwicklungsphase übergeht.

Bis wann ist Echolalie normal?

Die natürliche Echolalie tritt normalerweise im Alter von 9 bis 24 Monaten auf und kann bis zu einem Jahr andauern. Sie kann sowohl Wörter als auch Phrasen oder sogar ganze Sätze umfassen. Die meisten Kinder hören im Laufe der Zeit auf, diese Phase zu nutzen, wenn sie älter werden und ihre Sprachfähigkeiten verbessern.

Echolalie bei älteren Kindern

Echolalie kann auch bei älteren Kindern auftreten, jedoch kann dies in einigen Fällen ein Zeichen für eine Sprachentwicklungsstörung oder eine zugrunde liegende neurologische Behinderung sein. In diesen Fällen ist es wichtig, professionelle Hilfe von einem Sprachtherapeuten oder einem Arzt zu suchen.

Einige autistische Kinder kommunizieren durch Echolalie – Echolalie gilt sogar als spezifisch autistische Methode, um sprechen zu lernen. Logopädie kann dem Kind helfen, seine sprachlichen und kommunikativen Fähigkeiten weiter auszubauen.

Echolalie bei autistischen Kindern kann manchmal auch Stimming sein, das der Reizregulierung oder der Entspannung dient. Stimming sollte man prinzipiell akzeptieren. In manchen Fällen kann man alternative Stims finden, wenn ein Verhalten in einem bestimmten Kontext störend ist (siehe Stimming-Strategien für Schule und Arbeit).

Zeigt das Kind (außer Echolalie) weitere Symptome von Autismus?

Oder hat es Anzeichen des Tourette-Syndroms?

Es gibt auch Fälle, in denen ältere Kinder Echolalie aus anderen Gründen verwenden, wie zum Beispiel als soziales oder kommunikatives Verhalten. In solchen Fällen kann es hilfreich sein, mit dem Kind zu sprechen und herauszufinden, warum es diese Art von Verhalten zeigt, um Unterstützung anzubieten.

Unabhängig von den Gründen für Echolalie bei älteren Kindern ist es wichtig, ihnen ein unterstützendes Umfeld zu bieten, in dem sie ihre Sprachfähigkeiten weiter verbessern können.

Das (Vor-)Lesen von Büchern, handlungsbegleitendes Sprechen im Alltag oder das Spielen von Sprachspielen kann Kindern helfen, ihre sprachlichen Fähigkeiten erweitern und ihre Kommunikationsfähigkeiten verbessern.

Insbesondere bei Kindern mit 3, 4 oder 5 Jahren kann gelegentliche Echolalie schlicht ein Symptom einer verzögerten Sprachentwicklung sein, ohne das eine komplexe Ursache dahintersteckt.

Bei älteren Kindern ist es wichtig, die Verwendung von Echolalie zu beobachten und im Zweifelsfall professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, um sicherzustellen, dass das Kind die notwendige Unterstützung erhält, um seine sprachlichen und kommunikativen Fähigkeiten zu verbessern.

Echolalie bei Erwachsenen

Einige autistische Menschen verwenden auch als Erwachsene Echolalie. Wenn das Verhalten aber neu auftritt, hat es andere Gründe:

Echolalie bei Erwachsenen kann ein Symptom für eine neurologische Erkrankung sein. Bei jüngeren Erwachsenen kann Schizophrenie, eine andere Psychose, das Tourette-Syndrom oder eine Zwangsstörung der Grund sein. Echolalie im Alter kann zum Beispiel bei Parkinson, Demenz oder nach einem Schlaganfall auftreten.

Weitere Informationen:

Achtung: Wenn Echolalie plötzlich auftritt, zusammen mit einer (halbseitigen) Gesichtslähmung sowie Motorikprobleme z. B. der Arme, handelt es sich wahrscheinlich um einen Schlaganfall.
Bitte sofort den Notarzt rufen!

Echolalie im ICD-10

Echolalie wird im ICD-10 mit der Kennziffer R48.8 codiert und folgendermaßen beschrieben:

Echolalie (auch Echologia oder Echophrasia genannt) ist definiert als die unaufgeforderte Wiederholung von Lautäußerungen einer anderen Person (von derselben Person als Palilalie bezeichnet). In ihrer vollen Ausprägung ist sie automatisch und mühelos. Sie gehört zu den Echophänomenen und ist eng mit der Echopraxie, der automatischen Wiederholung von Bewegungen einer anderen Person, verwandt; beide sind »Untergruppen des imitativen Verhaltens«, bei denen Laute oder Handlungen »ohne ausdrückliches Bewusstsein« nachgeahmt werden. Echolalie kann eine unmittelbare Reaktion auf einen Reiz oder eine verzögerte Reaktion sein.

ICD-10

Diagnose: Wie wird Echolalie diagnostiziert?

Echolalie kann durch eine umfassende medizinische Untersuchung und eine neurologische Beurteilung diagnostiziert werden. Ärzte verwenden in der Regel Tests, um die sprachlichen Fähigkeiten des Patienten zu bewerten, und um festzustellen, ob das Symptom mit einer zugrunde liegenden Erkrankung zusammenhängt.

Therapie: Wie wird Echolalie behandelt?

Die Behandlung von Echolalie ist ein komplexes Thema, das von vielen Faktoren abhängt.

Für Kinder im Autismus-Spektrum kann Logopädie helfen, ihre sprachlichen und kommunikativen Fähigkeiten zu verbessern. Auch bildgestützte Kommunikation wie Symbole, Bilder und/oder Apps kann zur Entwicklung mündlicher Sprache beitragen. Wenn die Kinder effizientere Möglichkeiten der Kommunikation haben, werden sie weniger Echolalie verwenden. Unterdrücken sollte man Echolalie bei autistischen Menschen nie, denn zum einen nimmt man ihnen damit eine Form der Kommunikation (oder, im Fall von Stimming, der Reizregulierung) und zum anderen ist Echolalie für autistischen Kinder oft der Weg zur funktionalen Sprache.

Im Falle von Menschen mit Schizophrenie ist die Behandlung von Echolalie in erster Linie auf die Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung ausgerichtet. Antipsychotika können helfen, Halluzinationen und Wahnvorstellungen zu reduzieren, die häufig mit Schizophrenie einhergehen und Echolalie auslösen können. Kognitive Verhaltenstherapie kann auch dazu beitragen, den Umgang mit Echolalie zu verbessern und den Betroffenen dabei zu helfen, ihre sprachlichen Fähigkeiten zu verbessern.

Es ist wichtig zu betonen, dass Echolalie ein Symptom und keine eigenständige Krankheit ist. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung kann dazu beitragen, die Symptome von Echolalie zu reduzieren und die sprachlichen Fähigkeiten der Betroffenen zu verbessern. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten zur Behandlung von Echolalie, und es ist wichtig, eine individuelle Behandlung zu entwickeln, die auf die Bedürfnisse jedes einzelnen Patienten abgestimmt ist.

Fragen und Antworten

Was ist der Unterschied zwischen Echolalie und Palilalie?

Echolalie und Palilalie sind beide Sprachstörungen, die durch das unwillkürliche und repetititive Wiederholen von Worten oder Sätzen gekennzeichnet sind. Es gibt jedoch einen Unterschied zwischen den beiden.

Echolalie bezieht sich auf die Wiederholung von Wörtern oder Sätzen, die von anderen Personen gehört wurden. Bei Echolalie wiederholt die betroffene Person die Worte oder Sätze in der Regel in derselben Art und Weise, wie sie gehört wurden, ohne den Sinn oder die Bedeutung zu verstehen.

Palilalie hingegen bezieht sich auf die Wiederholung von Wörtern oder Sätzen, die von der betroffenen Person selbst ausgesprochen wurden. Bei Palilalie wiederholt die betroffene Person in der Regel dieselben Wörter oder Sätze, ohne dass es einen erkennbaren Grund oder Kontext gibt. Palilalie tritt häufig bei Menschen mit Tourette-Syndrom auf.

Was ist der Unterschied zwischen Echolalie und Echopraxie?

Echolalie und Echopraxie sind zwei Begriffe, die oft im Zusammenhang mit neurologischen Erkrankungen verwendet werden.

Während Echolalie sich auf das Nachsprechen von Wörtern oder Sätzen anderer bezieht, bezeichnet man mit Echopraxie das wiederholte Nachahmen von Bewegungen oder Gesten, die bei anderen gesehen wurden.

Echopraxie kann zusammen mit Echolalie auftreten und ebenfalls ein Symptom für neurologische Erkrankungen sein. Auch hier ist es wichtig, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen, um die zugrunde liegende Ursache zu identifizieren und gegebenenfalls zu behandeln.

Weiterführende Links

Quellen und Literatur

Zuletzt bearbeitet am 08.06.2026.

Linus Mueller
Linus Mueller, M.A.

Linus Mueller befasst sich seit über 20 Jahren mit Autismus. Er hat hat sein Studium an der Humboldt-Universität zu Berlin mit einer Magisterarbeit über Autismus und Gender abgeschlossen und in mehreren Autismus-Organisationen gearbeitet, bevor er Autismus-Kultur gründete. Linus ist selbst autistisch und Vater zweier fabelhafter Kinder.