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Welt-Down-Syndrom-Tag: Gegen pränatale Diagnostik und selektive Abtreibung

Colin Müller, M.A. | 21. 03. 2008

Der 21. März ist der Welt-Down-Syndrom-Tag. Wir nehmen das zum Anlass, uns gegen pränatale Diagnostik auszusprechen.

Das Down-Syndrom kann durch pränatale Tests vor der Geburt festgestellt werden – und wird es auch. Fast immer ist ein Schwangerschaftsabbruch die Folge.

Normalerweise darf man nur in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft abtreiben. Wenn ein Embryo jedoch als “behindert” kategorisiert wird, ist eine Abtreibung zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft legal, auch dann, wenn das Ungeborene schon lebensfähig ist. Das führte zum Beispiel dazu, dass im Sommer 1997 das Kind Tim seine eigene Abtreibung überlebte. Wie diese gesetzliche Regelung mit Artikel 3 des Grundgesetzes Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. zu vereinbaren ist, bleibt uns schleierhaft.

Menschen mit Down-Syndrom wenden sich gegen pränatale Diagnostik und selektive Abtreibungen. Im Juni 2003 störte eine Gruppe von Menschen mit Down-Syndrom den International Downs Syndrome Screening Kongress in London, auf dem über pränatale Selektion bezüglich Down-Syndrom gesprochen wurde. Die Organisator_innen des Kongresses riefen die Polizei, erlaubten aber vorher Anya Souza, einer Frau mit Down-Syndrom, für etwa zehn Minuten zu sprechen.

Souza kritisierte die pränatale Down-Diagnostik und Forderungen nach Sterilisation und sagte:

Ich kann mein Down nicht loswerden. Aber ihr könnt mein Glück nicht loswerden und das Glück, das ich anderen schenke, auch nicht.

Auch die Lebenshilfe spricht sich gegen den Abtreibungsmechanismus aus, allerdings nicht gegen pränatale Tests – sie fordern umfassende Beratung für die werdenden Eltern.

Viele Autist_innen sehen die Suche nach “Autismus-Genen” viel zu unkritisch oder befürworten diese z.B. für sogenannte “Schwerbetroffene” – darunter Temple Grandin. Niemand betreibt diese Suche aus bloßem akademischen Interesse. Ziel dieser Forschung ist ein pränataler Autismus-Test, und wohin der führt, kann man am Beispiel Down-Syndrom sehen: etwa 90 bis 95% der Schwangeren entscheiden sich dafür, das Down-Kind abzutreiben.

Autist_innen sollten nicht an ihrer eigenen Ausrottung mitarbeiten, zum Beispiel als Lieferant_innen von “autistischem Genmaterial”. Boykottiert solche Forschungen!

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