Für ein glückliches Leben im Autismus‑Spektrum

Fällt es dir leichter, einem Vortrag zu folgen als einen langen Text zu lesen? Bist du gut darin, mündlichen Anweisungen zu folgen? Dann bist du vielleicht ein auditiver Lerntyp.

Auditives Lernen ist ein Lernstil, bei dem eine Person durch Zuhören lernt. Ein auditiver Lerntyp verlässt sich beim Lernen hauptsächlich auf das Zuhören und Sprechen. Wenn ein auditiver Lerner sich eine Telefonnummer merkt, wird er sie laut aussprechen und sich dann daran erinnern, wie sie geklungen hat, um sie sich zu merken.

Auditive Lerntypen verstehen Inhalte besser, wenn sie sie hören. Mit schriftlichen Anweisungen haben sie manchmal Schwierigkeiten.

Auditiv Lernende können ein Talent dafür haben, die wahre Bedeutung der Worte einer Person zu erkennen, indem sie auf hörbare Signale wie Veränderungen im Tonfall achten. Sie sind gute Zuhörer*innen, wenn andere Menschen sprechen.

Auditive Lerntypen sind gut darin, Antworten auf gehörte Vorlesungen aufzuschreiben. Sie sind auch gut in mündlichen Prüfungen, und lernen effektiv, wenn Informationen in Vorträgen, Reden und Gruppendiskussionen mündlich vermittelt werden.

Auditive Lernende sind gut im Geschichtenerzählen. Sie lösen Probleme, indem sie sie durchsprechen. Zu den Sprachmustern gehören Sätze wie Ich höre dich, Das klickt, Es klingelt und andere geräusch- oder stimmorientierte Informationen. Sie bewegen vielleicht ihre Lippen oder sprechen mit sich selbst, um Aufgaben zu bewältigen.

Wenn du ein auditiver Lerntyp bist, arbeitest du wahrscheinlich gern mit Geräuschen und Musik. Du hast ein gutes Gefühl für Rhythmus und Tonlage. Oft kannst du singen, ein Instrument spielen oder die Geräusche unterschiedlicher Instrumente erkennen. Bestimmte Musik weckt starke Emotionen in dir. Du bemerkst die Soundtracks in Filmen oder Fernsehsendungen. Oft erwischt du dich dabei, wie du einen Song oder eine Melodie summst oder klopfst, oder dir geht ohne Anlass eine Melodie durch den Kopf.

Der Lernstil eines Menschen ist die von Natur aus bevorzugte Art, Informationen aufzunehmen und zu behalten. Man kann sich nicht aussuchen, welcher Lerntyp man ist – das wird von der durch Eigenschaften des Gehirns bestimmt. In vielen Situationen kann man aber seine Lerntechniken darauf abstimmen.

Lerntechniken für auditive Lerntypen

  • Finde heraus, ob es Geräusche an Deinem Lernort gibt, die dich stören oder ablenken: das Surren einer Lampe, der Fernseher im Nachbarzimmer oder ähnliches. Wenn ja, sorge für Ruhe beim Lernen.
  • Als auditiver Lerntyp kommst du mit verbalen Anweisungen besser zurecht als mit schriftlichen. Achte bei schriftlichen Arbeitsanweisungen besonders gut darauf, dass du sie richtig verstanden hast, lass sie dir vorlesen oder lies sie selbst laut vor. Auch wenn das Geschriebene in einer logischen Reihenfolge steht, kann es leichter zu verstehen sein.
  • Oft hilft es, den Lernstoff laut vorzulesen.
  • Weitere geeignete Lerntechniken für dich sind Gruppendiskussionen, Gruppenaktivitäten, oder den Lernstoff selbst einer anderen Person zu erklären.
  • Wenn du ein auditiver Lerntyp bist, verwende Geräusche, Reime und Musik beim Lernen.
  • Wenn möglich, verwende themenbezogene Tonaufnahmen als Hintergrund und Hilfe bei Visualisierungen.
  • Manche auditiven Lerntypen stören Hintergrundgeräusche (Musik, Fernseher, andere Menschen), andere können damit besser lernen. Finde heraus, wie es dir damit geht und finde eine für dich geeignete Umgebung.
  • Nutze Reime und Rhythmus, um dir Lerninhalte einzuprägen, oder verwandle sie in eine Melodie oder ein kleines Lied.
  • Wenn eine bestimmte Musik oder ein Song bei dir das starke Gefühl auslöst, dass du dich jeder Herausforderung stellen willst, spiele die Musik einige Male und konzentriere dich dabei intensiv auf dieses Gefühl. Danach kannst du das Gefühl in dir hervorrufen, ohne die Musik tatsächlich zu hören, wenn du den Boost brauchst.

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ich mit Kind
Linus Müller

Linus Müller ist der Gründer von Autismus-Kultur. Er hilft Menschen im Autismus-Spektrum und ihren Familien, Autismus zu verstehen und ein glückliches Leben im Autismus-Spektrum zu finden – auch wenn das in einer vorwiegend nicht-autistischen Welt nicht immer einfach ist.

Autismus ist seit fast 20 Jahren eines seiner Forschungsinteressen. Sein Studium an der Humboldt-Universität zu Berlin hat er mit einer Magisterarbeit über Autismus und Gender abgeschlossen. Er hat in mehreren Autismus-Organisationen gearbeitet, bevor er Autismus-Kultur gründete. Linus ist auch Vater eines fabelhaften Kindes.

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