Autistisch gut leben.

Die Berufswahl ist eine der wichtigsten Entscheidungen, die du in deinem Leben triffst. Menschen im Autismus-Spektrum haben es fast immer schwer, einen geeigneten Arbeitsplatz zu finden. Es gibt aber autistische Menschen, die ihren Traumjob gefunden haben und damit sehr glücklich sind.

Die üblichen Empfehlungen für Autist*innen beschränken sich meist auf Klischees wie

  • »Autisten mögen Informatik»,
  • »Spezialinteressen», und
  • sich wiederholende Tätigkeiten.
  • Informatik hat tendenziell eine autismusfreundliche Kultur, aber nicht alle Autist*innen haben eine Neigung zu Informatik.
  • Deine Interessen zu berücksichtigen – ja, da wärst du auch selbst drauf gekommen, oder?
  • Neurotypische Menschen sind meistens begeistert von der Vorstellung, Autist*innen in den Arbeitsmarkt einzugliedern, indem sie ihnen einen langweiligen, schlecht bezahlten Job mit repetitiven Tätigkeiten zuweisen, den Neurotypische nicht machen wollen.

    Das kleine, aber nicht unwesentliche Problem: Aber nicht alle Autist*innen wollen einen eintönigen Routinejob mit repetitiven Tätigkeiten. Viele von uns wollen eine abwechslungsreiche, kreative oder soziale Arbeit. Und eine echte Inklusion auf dem Arbeitsmarkt bedeutet eben, dass wir auch in die Berufe integriert werden, die wir machen wollen. Nicht nur in die, in denen Neurotypische uns nicht als Konkurrenz empfinden, weil sie die auch nicht machen wollen.

Betrachte nicht nur deine Schwächen, sondern (ganz wesentlich) deine Stärken und Leidenschaften.

Du willst einen Beruf, in dem du deine Stärken nutzen kannst und der dich interessiert.

Es ist sehr wichtig, dass du nach einem Beruf suchst, der zu dir passt – und nicht zu einem fiktiven Klischee-Autisten.

Das klingt banal, aber ich kannte tatsächlich mal einen Autisten, der Informatik studierte, weil er dachte, als Autist müsse er ja gut darin sein. Er war es nicht und brach das Studium bald wieder ab.

Jede*r von uns hat seine eigenen, individuellen Stärken, Fähigkeiten und Interessen.

Im Artikel über autistische Stärken und Schwächen findest du Arbeitsblätter, die du verwenden kannst, um deine Talente, Fähigkeiten und Charakterstärken herauszufinden.

Du kannst auch eine Liste von Dingen und Tätigkeiten erstellen, die dich interessieren und mit denen du dich gern beschäftigst. Ich werde unten Online-Tests zur Berufswahl verlinken – die fragen Dinge, die dir vielleicht nicht einfallen und sie können dir vielleicht Berufe vorschlagen, auf die du nicht gekommen wärst.

Welche sozialen Interaktionen erfordert der Beruf und wie viel?

Zu vielen Berufen gehören soziale Interaktionen dazu. Ich rate nicht generell von Berufen ab, die soziale Interaktion erfordern. Es ist sehr unterschiedlich, mit wie viel und welchen Arten von Interaktion autistische Menschen zurechtkommen.

Beispiel:
Jonas weiß, dass er nicht in der Lage wäre, als Lehrer eine Klasse zu unterrichten. Er könnte aber Einzelunterricht geben und würde gern mit autistischen Kindern und Erwachsenen arbeiten. Schulbegleiter oder Einzelfallhelfer wäre eine Option. Letztlich entschließt er sich aber, Ergotherapeut zu werden.

Ergotherapeut ist kein Beruf, zu dem Berufsberater*innen autistischen Menschen typischerweise raten würden – aber warum eigentlich nicht? Bill Wong ist Autist und als Ergotherapeut erfolgreich.

Beispiel 2:
Annalenas Leidenschaft ist Jura. Sie kennt sich damit hervorragend aus und versteht die Feinheiten des juristischen Denkens sehr gut. Sie kann sich aber nicht vorstellen, als Anwältin oder Staatsanwältin im Gerichtssaal Fälle zu verhandeln. Sie überlegt jetzt, ob sie in der Rechtsabteilung eines großen Unternehmens arbeiten will (um z.B. Verträge auszuarbeiten), oder lieber Notarin oder Rechtspflegerin werden will. Annalena beschließt, dass ihr Praktika bei der Entscheidung helfen sollen.

Dazu muss man sagen: Natürlich gibt es auch autistische Rechtsanwält*innen. Hailey Moss ist eine offen autistische Rechtsanwältin.

Es ist aber auch völlig in Ordnung zu sagen: Diesen Teil des Berufs will oder kann ich nicht, deshalb sehe ich mich nach Alternativen um.

Checkliste Beruf

Es ist zwar unmöglich, pauschal zu sagen, dass bestimmte Berufe für autistische Menschen geeignet oder ungeeignet sind. Anhand dieser Checkliste kannst du Berufe aber daraufhin überprüfen, ob sie für dich infrage kommen.

Anforderungen des Berufs

Was sind typische Situationen in diesem Beruf?

Und welche sozialen Anforderungen bringen sie mit sich? Mit wem musst du (verbal oder nonverbal) interagieren? Haben diese Interaktionen ein klares, sachbezogenes Ziel?
Beispiele:

  • Eine Porträtfotografin muss dafür sorgen, dass die fotografierte Person entspannt ist. Dazu braucht es möglicherweise Empathie und Smalltalk.
  • Von einem Friseur wird oft erwartet, dass er während dem Haarschnitt mit den Kund*innen plaudert und ihnen Komplimente macht.
  • Eine Programmiererin stimmt mit der Abteilungsleiterin die Eigenschaften der Software ab und diskutiert eventuell mit Teammitgliedern über die Umsetzung.
  • Ein Webdesigner führt ein Briefing mit der Kundin durch, um zu erfahren, welche Erwartungen und Vorstellungen sie hat, und spricht sich danach regelmäßig mit ihr ab.
  • Sowohl eine Dozentin an der Uni als auch ein Lehrer an der Schule unterrichten. An der Uni ist die notwendige Kommunikation aber viel sachbezogener, während Lehrkräfte an der Schule ständig ihre Autorität bewahren müssen und sich gleichzeitig stärker um ihre Schüler*innen kümmern müssen.

Überlege dir, mit welchen sozialen Anforderungen du umgehen kannst, was du lernen kannst, und was dir große Schwierigkeiten und Stress bereitet.

Musst man seine Aufmerksamkeit auf mehrere Dinge verteilen, alles im Blick haben oder den Fokus der Aufmerksamkeit schnell hin- und herwechseln? Musst du spontan auf plötzliche Veränderungen reagieren?

Autist*innen haben damit oft Schwierigkeiten – zumindest verbraucht es sehr viel Energie.

Beispiele:

  • Ein Krankenpfleger muss viele Patient*innen gleichzeitig im Kopf behalten und oft schnell von einem zur anderen wechseln.
  • Eine Erzieherin muss viele Kinder im Blick und unter Kontrolle behalten.
  • Ein Sekretär soll möglicherweise während dem Telefonieren noch Mails beantworten oder Post sortieren.
  • In einem Restaurant wird vom Personal oft erwartet, dass sie spontan und flexibel reagieren, wenn die Kundschaft ihre Bestellung ändern will.

Wie viel Multitasking, wechselnden Fokus und spontane Planänderungen kannst du dauerhaft leisten?

Wie reizintensiv ist das typische Arbeitsumfeld?

Natürlich ist eine Kita reizintensiver als eine wissenschaftliche Bibliothek. Überlege dir, welches sensorische Umfeld für dich infrage kommt und wo deine persönliche Grenze ist.

Und wenn das Arbeitsumfeld reizintensiv ist, kann man es ändern? An der Reizintensität eines Supermarkts wirst du als Mitarbeiter*in nichts ändern können, im Büro kannst du vielleicht bewirken, dass du statt im Großraumbüro in einem Einzelraum oder von zu Hause aus arbeiten darfst.

Erfordert der Beruf gute auditive Wahrnehmungsverarbeitung?

Manche autistische Menschen haben Probleme mit auditiver Verarbeitung. Das schafft Probleme in Berufen, in denen du transkribieren oder mitschreiben musst, möglicherweise beim Dolmetschen und Telefonieren und regelmäßig in Situationen, in denen du bei Hintergrundlärm kommunizieren musst (zum Beispiel beim Kellern, bei Maschinenlärm).

Wie viel Kurzzeitgedächtnis erfordert der Beruf?

Viele autistische Menschen (besonders wenn sie visuelle Lerntypen sind) haben Schwächen im Kurzzeitgedächtnis. Dabei geht es letztlich auch darum, viele Informationen im Kopf zu behalten, die sich schnell verändern.

Beispiel:

  • Eine Köchin in einem Imbiss muss zahlreiche Bestellungen parallel zubereiten, während weitere Bestellungen oder Änderungswünsche eingehen.

Die Liste dieser Fragen kannst du selbst noch verlängern. Was sind Situationen oder Fähigkeiten, die dir Probleme machen?

Wenn du einen Beruf ernsthaft in Betracht ziehst, solltest du diese Fragen nicht aus dem hohlen Bauch heraus beantworten, sondern durch ein Praktikum oder eine Hospitation.

Manche Schwierigkeiten kann man überwinden oder umgehen – aber jede*r von uns hat Grenzen, und das ist okay. Es hilft bei der Berufswahl, wenn man sich seiner Grenzen bewusst ist, sich aber nicht davon entmutigen lässt.

Vergiss nie, dass du auch Stärken, Fähigkeiten und Talente hast.

Es gibt heute viele Berufe und viele unterschiedliche Arbeitsumfelder. Da gibt es auch etwas, was zu dir passt.

Manchmal können und müssen Aufgaben und/oder die Umgebung angepasst werden, damit du erfolgreich sein kannst. (Tatsächlich sind sie immer angepasst, aber in der Regel an die Stärken und Schwächen neurotypischer Menschen.)

Berufliche Aussichten

Ist der Beruf von Automatisierung bedroht?

Viele wohlmeinende Beratungen empfehlen autistischen Menschen Berufe, die aus sich wiederholenden Routinetätigkeiten bestehen. Gerade diese Berufe werden in den nächsten zwanzig Jahren zu 99 % durch AI, Maschinen und Algorithmen ersetzt werden.

Auch einige Dinge, die oft als Stärken autistischer Menschen gehandelt werden, sind Dinge, die in Zukunft verstärkt automatisiert werden, zum Beispiel ein gutes Gedächtnis für Fakten und Daten.

Temple Grandin beschrieb 1999 in diesem Artikel, welche Berufe sie für geeignet für autistische Menschen hielt. Als einen geeigneten Beruf nennt sie Taxifahren (und das hat mich schon immer gewundert. Die meisten autistischen Menschen, die ich kenne, fahren nicht oder ungern Auto). Grandins Begründung lautet, dass eine autistische Person möglicherweise weiß, wo jede einzelne Straße der Stadt ist. Heute, wo jedes Auto ein Navigationsgerät hat, ist diese Stärke obsolet geworden.

AI entwickelt sich gerade rasant. Und auch wenn »nur« 30% eines Berufs automatisiert werden: Das heißt, dass 100 Leute in diesem (von denen bisher jeder einen Job hat) um 70 Stellen konkurrieren. 30 bleiben über.

Recherchiere also, welche Aspekte deines mit großer Wahrscheinlichkeit in den nächsten Jahren automatisiert werden. Eine erste Einschätzung kann der Job-Futuromat geben. Allerdings entwickeln sich Tenologien sehr schnell, und es ist empfehelenswert, tiefgehender zu recherchieren, wenn dich ein Beruf wirklich interessiert.

Baue dein berufliches Profil möglichst nicht auf Fähigkeiten auf, die Computer bald ebenfalls können werden.

Kann die Arbeit in Billiglohnländer ausgelagert werden?

Das betrifft nicht nur Fabrikarbeit, sondern auch z.B. Computeranimationen und andere Arbeiten, für die keine oder wenig deutsche Sprachkenntnisse, kein direkter Kundenkontakt und keine körperliche Anwesenheit vor Ort nötig sind. Mit der zunehmenden Digitalisierung werden wahrscheinlich mehr Arbeiten ausgelagert werden.

Gibt es konkreten Bedarf?

Es gibt zum Beispiel konkreten Bedarf an Ärzt*innen und Informatiker*innen. Der Bedarf an Geisteswissenschaftler*innen dagegen ist deutlich weniger konkret. Sie arbeiten oft in Berufen, die mit ihrer Ausbildung nur begrenzt zu tun haben

Ich will damit nicht sagen, dass autistische Menschen keine Geisteswissenschaften studieren sollten – im Gegenteil, ich freue mich, dass es autistische Literaturwissenschaftler wie James McGrath gibt.

Autismus ist keine Krankheit, es ist einfach ein Unterschied.

James McGrath, School of Cultural Studies & Humanities, Leeds Beckett University

Ich habe selbst zwei geisteswissenschaftliche Fächer studiert und davon viel mitgenommen. Und ich liebe meine Arbeit bei Autismus-Kultur. Aber ich hätte mir das Leben vielleicht leichter machen können, indem ich eines der Fächer durch etwas ersetzt hätte, das zu einem konkreten Beruf führt.

Arbeitet man in diesem Beruf typischerweise festangestellt oder selbständig?

Was könntest du dir vorstellen? Selbständige Arbeit bringt mehr Freiheiten, aber auch mehr Unsicherheit. Dazu kommen Aspekte wie Kalkulation, Rechnungsstellung und unterschiedliche Regelungen in Bezug auf Steuern und Sozialversicherungen.

Relevant ist auch, ob du in der Privatwirtschaft, in öffentlichen Betrieben, oder in einer Behörde arbeiten wirst.

Vorsicht bei typischen Traumberufen

Du bist nicht der einzige, der davon träumt, Videospiele zu programmieren. Die Konkurrenz in diesen Branchen ist härter als anderswo. Und das bedeutet oft, dass nicht allein deine Fähigkeiten zählen, sondern verstärkt Soft Skills (»Passt die ins Team?»). Auch das Gehalt kann schlechter ist als in vergleichbaren, aber weniger beliebten Berufen. Gleichzeitig gibt es viele andere Bereiche, in denen Programmierer*innen verzweifelt gesucht werden.

Berufe, die viele Leute kennen, wollen viele Leute machen. Es lohnt sich, sich nach unbekannteren Alternativen umzusehen. Diese Berufe können von der Tätigkeit her genauso interessant sein und vom Arbeitsumfeld her sogar geeigneter.

Recherchiere Alternativen für deinen Traumberuf. Versuche herauszufinden, wie der Arbeitsmarkt und das Arbeitsumfeld in diesen Bereichen sind.

Scheinbar uninteressante Berufe solltest du nicht vorschnell verwerfen. Klingt es spontan interessant, im Klärwerk zu arbeiten? Nein? Eine Freundin von mir hat Gewässerökologie studiert und arbeitet jetzt als technische Leiterin in in einem Wasserwerk. Sie hat sich schon immer für Umweltschutz interessiert und hat dort eine verantwortungsvolle Aufgabe gefunden – von der Qualitätskontrolle bis zur Planung neuer Anlagen.

Was andere zu deinem Berufswunsch sagen

Es gibt Berufe, da hat jeder eine Meinung, aber nicht unbedingt wirkliches Wissen darüber, was der Beruf beinhaltet. Dazu kommt, dass viele Menschen feste Vorstellungen davon haben, wie autistische Menschen sind und welche Berufe für sie geeignet sind. Auch hier findet man oft mehr Meinung als Wissen.

Höre anderen zu, wenn sie dir von Berufen abraten oder zuraten, besonders wenn sie Erfahrungen in dieser Branche haben. Aber entscheide selbst.

Und wenn du denkst, ein bestimmter Beruf ist genau das richtige für dich, obwohl dir alle davon abraten, mach ein Praktikum, um einen Einblick in den Arbeitsalltag zu bekommen.

Berufs- und Studienorientierung

Hier findest du grundlegende Informationen zu zahlreichen Berufsfeldern. Sie können dir bei der Berufs- und Studienwahl weiterhelfen.

Diese Informationen sind (leider) nicht speziell auf Autist*innen zugeschnitten. Eine wirklich umfangreiche Ressource, die Studienfächer und Berufe auf ihre Eignung für autistische Menschen abklopft, kenne ich bisher bedauerlicherweise nicht.

Wenn dich ein Beruf oder ein Studienfach interessiert, versuche weitere Informationen dazu zu finden. Dazu zählen Branchenmagazine und Dokus, aber auch zum Beispiel persönliche Blogs und Social Media-Accounts. Letztere geben einen Einblick in den Berufsalltag, wie du ihn sonst selten bekommst. Gerade Anonymität gibt Menschen die Möglichkeit, offen und ehrlich zu sein. Auch Zeitungen lassen gern Menschen über ihren Beruf erzählen, zum Beispiel in der Spiegel-Online Reihe Mein erstes Jahr im Job.

Zu Studienfächern findest du Online-Vorlesungsverzeichnisse und Erstsemester-Tipps auf den Websites der Universitäten.

Tests zur Berufswahl

Es gibt Online-Tests, die auf Grundlage deiner Interessen und Fähigkeiten versuchen einzuschätzen, welcher Beruf zu dir passen könnte.

Achtung: Sie ziehen autismusbedingte Schwierigkeiten nicht in Betracht.

Du solltest die Ergebnisse eher als Inspiration sehen denn als definitives Ergebnis. Manchmal stößt man so auf Berufsbilder, die man vorher nicht in Betracht gezogen hat.

Auch die Berufsinformationszentren der Agentur für Arbeit bieten solche Tests an.

Beratungsangebote und Informationsveranstaltungen

Berufsfelder kennenlernen

Wenn du einen oder mehrere Berufe gefunden hast, von denen du sagst: »Ja, das wäre etwas für mich!«, dann ist es Zeit, deine Vorstellungen in der Realität zu überprüfen. Mach ein Praktikum oder eine Hospitation bei einer Firma oder Organisation in deinem Berufsfeld. Das kann zuerst ein kurzes Schnupperpraktikum sein, dann ein längeres. Vielleicht auch bei unterschiedlichen Firmen. So bekommst du einen Einblick in unterschiedliche Arbeitsumgebungen.

In manchen Berufsfeldern kommt auch ein Bundesfreiwilligendienst oder ein Freiwilliges Soziales oder Ökologisches Jahr infrage. Die Dauer beträgt meist 12 Monate (zwischen 6 und 18 Monaten).

Studium kennenlernen

  • Lies die Vorlesungsverzeichnisse, Erstsemester-Informationen und evtl. einen Teil der angegebenen (Grundlagen-)Literatur, um einen besseren Überblick über die Studieninhalte zu bekommen.
  • Frag andere Studierende aus deinem Fach (wenn du keine kennst, kannst du in Online-Foren und sozialen Netzwerken fragen). Frag sie zum Beispiel, wie ihr Studienalltag aussieht, was sie an ihrem Fach mögen und was nicht, was anders ist als erwartet, was sie vorher gern gewusst hätten, oder welche Grundlagenliteratur sie dir zur Vorbereitung empfehlen würden.
  • Online-Lehrveranstaltungen. Inzwischen gibt es viele MOOCs (Massive Open Online Courses) – sicherlich auch aus deiner Studienrichtung. Leider sind die meisten auf Englisch, was eine Hürde darstellen kann. Es gibt mehrere Verzeichnisse, die dir helfen können, einen MOOC zu deinem Thema zu finden, ClassCentral ist eines davon. MOOCs auf Deutsch findest du hier. Oder du verwendest eine Suchmaschine, um nach [Thema] MOOC zu suchen.
  • Probe-Vorlesungen vor Ort besuchen. Manche Hochschulen bieten ein Schnupperstudium an. Du kannst auch die Studienberatung oder eine Dozent*in anschreiben und darum bitten, einige Veranstaltungen besuchen zu dürfen, um herauszufinden, welcher Studiengang der Richtige für dich ist.
  • Studium generale (Universal-Studium) oder Gasthörerschaft. Du kannst dich an der Hochschule nicht nur für ein reguläres Studium einschreiben, sondern auch für ein Studium generale oder eine Gasthörerschaft. Dabei besuchst du Lehrveranstaltungen nach deinen Interessen, erwirbst aber keinen Abschluss.
  • Studienalltag kennenlernen. Ein Studium besteht nicht nur aus Lehrveranstaltungen. Damit du weißt, was auf dich zukommt, kannst du vorher einmal ein Studierendenwohnheim besuchen, an einer Führung durch die Uni-Bibliothek teilnehmen und vielleicht die Mensa oder Cafeteria besuchen. Wenn du planst, in einer anderen Stadt zu studieren, kannst du dich einige Zeit dort aufhalten. Dann weißt du gleich, wie du mit diesen Dingen zurechtkommst und kannst deinen Studienalltag besser planen – man muss nicht in der Mensa essen.
  • Fernstudium als Alternative. Wenn du feststellst, dass du mit dem Hochschulalltag nicht zurechtkommst oder in Räumen mit vielen anderen Menschen nicht lernen kannst, ist vielleicht ein Fernstudium eine Alternative.

Übrigens: Hier habe ich mehr zur Wahl des Studienfachs geschrieben.

Zuletzt bearbeitet am 01.06.2025.

Linus Mueller
Linus Mueller, M.A.

Linus Mueller befasst sich seit über 20 Jahren mit Autismus. Er hat hat sein Studium an der Humboldt-Universität zu Berlin mit einer Magisterarbeit über Autismus und Gender abgeschlossen und in mehreren Autismus-Organisationen gearbeitet, bevor er Autismus-Kultur gründete. Linus ist selbst autistisch und Vater zweier fabelhafter Kinder.