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Autismus-Diagnose bei Kindern: So läuft es ab

Colin Müller, M.A.

Autismus-Diagnose bei KindernUm festzustellen, ob ein Kind eine Autismus-Spektrum-Störung hat (z.B. frühkindlichen Autismus oder das Asperger-Syndrom) oder eine andere Entwicklungsstörung, wird ein Diagnostiker sich sehr genau ansehen, wie Dein Kind kommuniziert und mit anderen Menschen interagiert, und wie es sich in verschiedenen Situationen verhält. Die Diagnose wird anhand der beobachteten Verhaltensmuster gestellt.

Wenn Du Dich fragst, ob Dein Kind autistisch ist und ein Entwicklungsscreening Auffälligkeiten bestätigt, vereinbart man am besten einen Termin bei einem Spezialisten. Weil es schwierig ist, die Diagnose Autismus zu stellen und viele Ärzte nicht die notwendigen Kenntnisse dazu haben, wendet man sich lieber an eine Fachkraft, von der man weiß, dass sie Erfahrung mit der Diagnose von frühkindlichem Autismus und Asperger-Syndrom hat.

Manchmal wird die Diagnostik von einer einzelnen Person durchgeführt, manchmal ist ein Team von Spezialisten beteiligt. Dazu können gehören:

  • Kinder- und Jugendpsychologen
  • Kinder- und Jugendpsychiater
  • Logopäden
  • Kinderärzte mit einem Schwerpunkt auf Entwicklungsstörungen
  • (kinderärztliche) Neurologen
  • Audiologen

Manchmal werden auch die Einschätzungen weiterer Personen herangezogen. Falls es Berichte von Lehrern oder Erziehern gibt, die auf das Autismus-Spektrum (oder andere Verhaltensauffälligkeiten) hindeuten, sollte man Kopien davon mitnehmen.

Wo wird die Autismus-Diagnose gestellt?

Ein Arzt kann die Diagnose in seiner Praxis oder in einer Klinik stellen, manche Autismus-Ambulanzen beschäftigen Fachkräfte, die Kinder auf eine Autismus-Spektrum-Störung hin untersuchen können.

Die Räume sind oft kindgerecht gestaltet und mit einem Spielzimmer ausgestattet – denn der Arzt möchte auch wissen, wie das Spielverhalten des Kindes ist.

Die Diagnostik einer Autismus-Spektrum-Störung

Wie läuft die Diagnostik ab? Das kann im Einzelfall zwar unterschiedlich sein, aber die folgenden Punkte geben Dir eine Übersicht, was Euch erwartet.

Über eines muss man sich klar sein: Die Autismus-Diagnostik kann dauern. Es gibt keinen einzelnen Test, der Autismus definitiv diagnostizieren kann; stattdessen werden mehrere Tests und Untersuchungen durchgeführt, um den Schwierigkeiten des Kindes auf den Grund zu gehen.

Ein großer Teil der Untersuchung wird durchgeführt, um andere Probleme ausschließen zu können – z.B. Schwerhörigkeit oder körperliche Probleme. Auch manche Entwicklungsstörungen, wie z.B. das Rett-Syndrom, können vom Verhalten her Autismus ähneln, sind aber etwas ganz anderes.

Eltern-Gespräch

In der ersten Phase der Diagnostik geben die Eltern dem Arzt Informationen über die Vorgeschichte des Kindes: Krankheiten, Entwicklung und Verhalten. Wenn man ein Tagebuch oder andere Notizen über auffälliges Verhalten geführt hat, sollte man dem Arzt diese geben. Der Arzt wird auch nach Krankheiten und psychischen Störungen in der Familie fragen.

Medizinische Untersuchung

Eine medizinische Untersuchung dient vor allem dazu, andere Diagnosen auszuschließen. Sie kann eine allgemeine körperliche Untersuchung, Bluttests, eine neurologische Untersuchung und genetische Untersuchungen mit einschließen.

Hörtest

Hörprobleme können zu Verzögerungen in der Sprachentwicklung und im sozialen Verhalten führen. Deshalb müssen sie ausgeschlossen werden, bevor eine Autismus-Diagnose gestellt wird. Dazu führt man eine audiologische Untersuchung durch, bei der das Kind auf Hörprobleme getestet wird, und vielleicht auch auf Empfindlichkeiten gegenüber Geräuschen, die bei autistischen Kindern nicht ungewöhnlich sind.

Beobachtung

Das Kind wird in unterschiedlichen Situationen beobachtet, wobei Ausschau gehalten wird nach auffälligem Verhalten, das typisch für Autismus ist. Zum Beispiel wird beobachtet, wie das Kind spielt oder wie es mit anderen Personen interagiert.

Abhängig von den Symptomen des Kindes und ihrer Stärke, kann die Diagnostik auch Sprache, Intelligenz, Wahrnehmungsverarbeitung, soziales Verständnis und motorische Fähigkeiten testen. Diese Tests können hilfreich sein, nicht nur, um zu bestimmen, ob das Kind autistisch ist, sondern auch, um festzustellen, was für Förderung es braucht:

Einschätzung der Sprachentwicklung

Ein Logopäde beurteilt die Sprachentwicklung des Kindes, und speziell die Fähigkeiten der sozialen Kommunikation, mit der Autisten oft Schwierigkeiten haben. Es wird auch nach spezifischen Sprach- oder Sprechstörungen gesucht.

Intelligenztest

Das Kind bekommt entweder einen standardisierten IQ-Test oder eine informelle Überprüfung der kognitiven Fähigkeiten.

Achtung beim IQ-Test: Der am weitesten verbreitete IQ-Test unterschätzt die Intelligenz von Menschen im Autismus-Spektrum signifikant!

Untersuchung der adaptiven Fähigkeiten

Möglicherweise wird überprüft, ob die Fähigkeiten des Kindes, praktische Probleme zu lösen und sich an Situationen des alltäglichen Lebens anzupassen altersgerecht entwickelt sind. Das kann Tests der sozialen, sprachlichen und nonverbalen Fähigkeiten mit einschließen, und auch lebenspraktische Fähigkeiten wie selbst zu essen oder sich anzuziehen.

Sensorisch-motorische Untersuchung

Eine sensorische Integrationsstörung kommt bei Kindern im Autismus-Spektrum fast immer in irgendeiner Weise vor. Ein Ergotherapeut oder Physiotherapeut wird vielleicht die Grob- und Feinmotorik des Kindes sowie die Wahrnehmungsverarbeitung überprüfen.

Die fertige Diagnose

Die fertige Diagnose wird entweder (meistens) persönlich im Gespräch mitgeteilt oder (manchmal) per Post verschickt. So oder so kann die offizielle Diagnose ein Schock sein, auch wenn schon man damit rechnet. Der Diagnose-Brief zählt wahrscheinlich Defizite, Verhaltensauffälligkeiten und Mängel des Kindes auf. Das ist für Eltern nicht schön zu lesen, und vielleicht sollte man sich mit jemandem verabreden, sich zu treffen oder zu telefonieren, um darüber zu reden. Das sollte eine Person, die einen versteht, vielleicht selbst ein Kind im Autismus-Spektrum hat und mit der man offen über seine Gefühle sprechen kann.

Nach kurzer Zeit überwiegt aber meist die Erleichterung darüber, dass “das Kind einen Namen hat”. Eine Diagnose kann der Türöffner für bestimmte Formen von Hilfe und Förderung sein.

Es ist dazu sinnvoll, die Diagnose auch mit der Fachkraft noch einmal in Ruhe zu besprechen. Wenn Du Dir nicht sicher sind, frage genau nach, in welchen Bereichen Schwierigkeiten bestehen und wie Du Deinem Kind helfen kannst. Du wirst feststellen, es gibt eine Menge Möglichkeiten.

Autismus-Diagnose bei Kindern

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