Glücklich leben im Autismus‑Spektrum

Unterschiedliche Menschen bevorzugen unterschiedliche Lerntypen und -techniken. Verschiedene Arten zu lernen werden als Lerntypen oder Lernstile bezeichnet.

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Jede*r hat einen unterschiedlichen Mix an Lerntypen. Manche Leute haben eine ausgeprägte Vorliebe für einen bestimmten Lerntyp und verwenden andere Lernstile weit seltener. Andere verwenden unterschiedliche Lerntypen in unterschiedlichen Situationen.

Es gibt kein richtig oder falsch. Die Lerntypen sind auch nicht unveränderlich. Man kann im Laufe der Zeit seine Fähigkeiten in weniger dominanten Lernstilen ausbauen, und auch bereits bevorzugte Lernstile weiter entwickeln.

Erst seit einiger Zeit erkennt man, dass man seine bevorzugten Lerntypen und multiple Intelligenzen verwenden kann, um effektiver zu lernen.

Traditionell steht in der Schule die sprachliche Wissensvermittlung im Vordergrund. Die meisten Lehrkräfte stützen ihren Unterricht auf mündliche Vorträge und Erklärungen, auf Tafelaufschrieb und Lehrbücher, die ebenfalls vor allem Text enthalten. Die Schüler*innen lernen dann dieses sprachliche Wissen kurz vor Klassenarbeiten auswendig.

Das Ergebnis dieses Unterrichts ist, dass wir diejenigen als intelligent bezeichnen, denen diese Lerntypen und Techniken liegen. Diejenigen, die andere Lerntypen bevorzugen, bekommen oft schlechte Noten, und die Eltern wundern sich, warum ihr Kind solche Schwierigkeiten in der Schule hat. Denn die Elten, die das Kind in anderen Situationen erleben, erkennen, dass ihr Kind in vielen Dingen sehr intelligent ist.

In der Schule kann das zu einer Abwärtsspirale führen: ungeeignete Lehr- und Lernmethoden, schlechte Schulnoten, eine negative Einschätzung seitens der Lehrkräfte, vielleicht der Übergang auf eine schlechtere oder ungeeignete Schule.

Umgekehrt kann es auch zu einer Aufwärtsspirale kommen: Schüler*innen, die sprachliche Wissensvermittlung bevorzugen und die leicht auswendig lernen, werden oft als klüger eingeschätzt als sie sind – mit dem Ergebnis, dass Eltern und Lehrkräfte manchmal nicht verstehen, warum das Kind eine eigentlich einfache Sache nicht versteht.

Indem man seinen Lerntyp erkennt und versteht, kann man Lerntechniken verwenden, die einem besser liegen. Dadurch kann man besser und schneller lernen.

Zusammenfassung

  • Kein Lerntyp ist besser als ein anderer.
  • Man kann einen Mix aus Lerntypen bevorzugen.
  • Wenn man seinen Lerntyp kennt, kann man angepasste Lerntechniken verwenden, durch die man schneller lernen kann.
  • Man kann auch seine Fähigkeiten in weniger bevorzugten Lernstilen verbessern.
  • Schulen vermitteln Wissen oft sprachlich. Nicht-sprachliche Lerntypen haben dort oft Schwierigkeiten, ihr Potential zu voll auszuschöpfen.

Die Lerntypen

Meistens wird in drei Lerntypen unterschieden:

Manche Modelle fügen dem noch zwei weitere Lerntypen hinzu:

Außerdem wird unterschieden zwischen Lerntypen, die bevorzugt allein lernen und solchen, die gerne in Gruppen lernen:

  • interpersonaler Lerntyp (mit anderen lernen)
  • intrapersonaler Lerntyp (allein lernen)

Natürlich gibt es auch Menschen, die Mischtypen sind und mit mehreren Lernstilen gut zurechtkommen. In seltenen Fällen kann der Lerntyp stark variieren: Eine Mutter eines autistischen Jungen erzählte mir einmal, dass sie jeden Morgen von Neuem herausfand, welcher seiner Sinne gerade aufnahmefähig war. An manchen Tagen war er praktisch bedeutungstaub gegenüber gesprochener Sprache, aber sehr aufnahmefähig gegenüber visueller Kommunikation und Lernstoff. An anderen Tagen bevorzugte er Sprache, an wieder anderen haptisches Lernen.

Jeder Mensch ist individuell. Wenn man über Lernstile Bescheid weiß, kann man diese Individualität beim Lernen nutzen.

Weitere Artikel zu Lernstilen

Bücher zu Lerntypen und Lerntechniken

Wer mehr über Lernstile und Lerntechniken wissen will, dem kann ich diese beiden Bücher empfehlen:

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Zuletzt bearbeitet am 05.03.2019.

ich mit Kind
Linus Müller

Linus befasst sich seit 2002 mit Autismus. Er verfasste seine Magisterarbeit zu diesem Thema, arbeitete mehrere Jahre für Autismus-Organisationen und gründete 2007 Autismus-Kultur, mit dem Ziel, aktuelle Forschungsergebnisse und autistische Erfahrungen zusammenzubringen und in verständliche Praxis-Ratgeber zu übersetzen. Linus ist selbst autistisch und Vater.

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