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Autistische Züge erkennen: Definition und Merkmale

Autismus-Kultur

Autistische Züge sind die Randzone des Autismus-Spektrums: nicht ganz autistisch, aber auch nicht ganz “normal”.

Falls Du bei Dir, Deinem Kind oder Partner einige Autismus-Merkmale findest, andere aber nicht zutreffen, ist dieser Artikel für Dich.

Neue Studien deuten darauf hin, dass es für jede Person mit einer Diagnose aus dem Autismus-Spektrum noch eine weitere Person mit autistischen Zügen gibt (z.B. repetitives Verhalten oder Schwierigkeiten in der Kommunikation), die aber die Kriterien für eine Diagnose nicht erfüllt.

Was sind “autistische Züge”?

Menschen mit autistischen Zügen weisen Merkmale des Autismus-Spektrums auf, aber nicht genug, um die Diagnosekriterien zu erfüllen. Ein häufiger Grund, warum die Diagnose “Autismus-Spektrum-Störung” nicht gestellt wird, ist, dass die Besonderheiten der Person ihr Leben nicht wesentlich beeinträchtigen.

Autistische Züge: nicht ganz autistisch, nicht ganz normal?

Für eine Diagnose aus dem Autismus-Spektrum muss eine bestimmte Anzahl von Kriterien aus verschiedenen Bereichen erfüllt werden, und die Merkmale müssen die Person in einem oder mehreren Lebensbereichen beeinträchtigen.

Siehe dazu: Diagnosekriterien im ICD und im DSM

Es kann aber Menschen geben, die tatsächlich nicht alle Diagnosekriterien erfüllen, die aber trotzdem in manchen Bereichen Schwierigkeiten haben. Die Schwierigkeiten können z.B. in folgenden Bereichen liegen:

  • Schwierigkeiten, Freundschaften zu schließen
  • Schwierigkeiten, sich in andere hineinzuversetzen
  • Schwierigkeiten mit wechselseitigen Aktivitäten (bei Kindern z.B. Teilen von Spielzeug)
  • Schwierigkeiten, Mimik oder subtile Anspielungen zu verstehen
  • Kleine Veränderungen in der Routine erzeugen großen Stress.
  • Sehr eingeschränktes Interessenspektrum
  • (bei Kindern) signifikante Verzögerung in der Entwicklung oder Sprache

Wie man an der Liste erkennen kann, ist es schwierig zu beurteilen, ob bestimmte Schwierigkeiten noch “normal” sind oder schon ins Autismus-Spektrum fallen. Viele Menschen haben Hobbys, mit denen sie sich relativ intensiv beschäftigen, und viele Menschen haben Schwierigkeiten, gute Freunde zu finden.

Von “Rain Man” bis Computer-Nerd: Das Autismus-Spektrum

Das Autismus-Spektrum enthält fließende Übergänge: Plakativ gesagt, reicht es vom nicht-sprechenden Autisten, der Vollzeit-Unterstützung braucht bis zum Computer-Nerd, der sich mit sozialer Interaktion schwer tut. Genauso fließend ist der Übergang vom Autismus-Spektrum zur “Normalität”. Und irgendwo in diesem Graubereich zwischen Autismus und Normalität liegen die autistischen Züge.

Wo man die Linie zieht, ist nicht klar festgelegt. Ein Psychologe diagnostiziert bei einer Person vielleicht Asperger-Autismus, während ein anderer lediglich ‘autistische Züge’ feststellt.

Autistisches Spektrum

Weil Autisten so unterschiedlich sind, gibt es verschiedene Formen von Autismus. Dazu gehören der Frühkindliche Autismus (Kanner-Autismus) und der Asperger-Autismus (Asperger-Syndrom), der oft als “leichte Form von Autismus” beschrieben wird.

“Autistische Züge” sind an sich keine Diagnose. Damit sagt man lediglich aus, dass die Person einige Merkmale oder Verhaltensweisen hat, die als autistisch gelten.

Oft sind es die Eltern oder Geschwister von Menschen im Autismus-Spektrum, die zwar die Kriterien für eine Asperger-Diagnose nicht erfüllen, aber gewisse autistische Verhaltensweisen haben. Ob eine diagnostische Abklärung sinnvoll ist oder nicht, muss man im Einzelfall abwägen.

Online-Test

Ob eine Diagnose aus dem Autismus-Spektrum bei dir wahrscheinlich ist, kannst du mit unserem Online-Test feststellen. Den Test gibt es in Versionen für Kinder und Jugendliche (die von den Eltern ausgefüllt werden) und für Erwachsene. Er ist komplett anonym, kostenlos und die automatische Auswertung wird sofort angezeigt.

Alternative Diagnosen

Eine Diagnose (jeglicher Art) ist im Grunde nur dann sinnvoll, wenn man bestimmte Formen von Unterstützung benötigt, z.B. eine Ergotherapie, Logopädie, Schulassistenz, Eingliederungshilfe oder ähnliches. Manchmal gibt es andere Diagnosen, deren Kriterien erfüllt werden.

  • Wenn sich die Schwierigkeiten auf die Wahrnehmungsverarbeitung beziehen oder dort ihre Ursache haben, hast Du wahrscheinlich eine Sensorische Integrationsstörung. Diese kann auch ohne Autismus auftreten, kann aber zu Verhalten führen, das Autismus ähnelt (z.B. vermeidet man Menschenmassen wegen der damit zusammenhängenden Reizüberflutung).
  • Wenn ein Kind eine Sprachentwicklungsverzögerung oder Schwierigkeiten in einzelnen sprachlichen Bereichen  hat, reicht das, damit eine Logopädie bezahlt wird.  Wenn die Schwierigkeiten spezifisch im sozialen Verständnis liegen, kommt vielleicht die Diagnose “Soziale Kommunikationsstörung” (auch “Semantisch-Pragmatische Sprachstörung” genannt) in Betracht.
  • Unter Umständen passen die Kriterien einer Nonverbalen Lernstörung. Diese Diagnose wird manchmal gestellt, allerdings ist zweifelhaft, ob sie nicht dasselbe bezeichnet wie das Asperger-Syndrom.

Ist autistisches Verhalten gleich Autismus?

Autistische Züge: Was ist das?Die Gründe für Verhalten und Empfindungen können ganz unterschiedlich sein. Jemand, der z.B. relativ isoliert aufgewachsen ist, negative Erfahrungen mit anderen Menschen hatte, soziale Ängste hat oder einfach sensibel und introvertiert ist, zieht es vielleicht vor, Zeit alleine zu verbringen anstatt auf Partys zu gehen. Manche Besonderheiten wie z.B. Stottern oder Hörprobleme können zu sozialer Isolation beitragen.

Auch das kann ein Grund sein, die Diagnose Autismus nicht zu stellen: Vielleicht sieht der Diagnostiker andere Ursachen für die autistischen Verhaltensweisen.

Wichtig ist es, dass man sich selbst und seine Bedürfnisse (bzw. sein Kind und dessen Bedürfnisse) versteht. Und dann kann man herausfinden, welche spezifische Art der Unterstützung man braucht – nicht immer sind es Therapien. Und dabei können Dir die Informationen auf dieser Seite helfen, unabhängig davon, ob alle Kriterien für eine Diagnose erfüllt werden oder nicht.

Ist man allerdings weiterhin davon überzeugt, dass eine Diagnose aus Autismus-Spektrum richtig und sinnvoll oder notwendig wäre, sollte man darüber nachdenken, einen anderen Diagnostiker aufzusuchen. Denn wie gesagt, jeder zieht die Linie ein bisschen anders.

Buch: Geniale Störung. Die geheime Geschichte des Autismus und warum wir Menschen brauchen, die anders denken. Steve Silberman
Buch: Ein Leben mit dem Asperger-Syndrom. Von Kindheit bis Erwachsensein - alles was weiterhilft. Tony Attwood
Buch: Von der Dose bis zur Arbeitsmappe. Ideen und Anregungen für strukturierte Beschäftigungen in Anlehnung an den TEACCH-Ansatz. Heike Salzbacher
Buch: Buntschatten und Fledermäuse. Mein Leben in einer anderen Welt. Axel Brauns
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Autismus-Kultur hilft Menschen im Autismus-Spektrum und ihren Familien, glücklicher zu leben: Lösungen, Tipps und Praxiswissen für die Herausforderungen des Alltags, von autistischen Menschen erprobt.
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